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Egal was kommt
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Kritik: Egal was kommt (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

In dem Dokumentarfilm "Egal was kommt" schildert Christian Vogel seine Weltreise mit dem Motorrad, welche er im Frühling 2015 begann: 333 Tage war der gelernte Installateur und Fernsehjournalist unterwegs und legte dabei mehr als 50.000 Kilometer auf der Straße zurück. Aus den circa 600 Stunden Bewegtbild-Material hat der zur Drehzeit 34-Jährige ein rund zweistündiges Werk geschaffen, das eine sehenswerte Mischung aus Spannung und Entspannung, aus Augenblicken des (Ver-)Zweifelns und des Glücks bietet. Momente, die nicht mit der Kamera eingefangen wurden, werden in kurzen Graphic-Novel-Passagen präsentiert; obendrein gibt es Interview-Aufnahmen mit Vogels Mutter und der Freundin Miriam, die etwa in der Mitte von Vogels Reise nach Indien reist, um dort ein paar gemeinsame Tage erleben zu können.

Vogel begeht nicht den Fehler, seinen Film zu einer eitlen Feier der Selbstverwirklichung zu machen. Via voice-over setzt sich der Protagonist, der zugleich Autor, Regisseur, Kameramann und Produzent ist, mit der erforderlichen selbstkritischen Haltung mit seinen eigenen Vorstellungen und Handlungen, seiner gelegentlichen Selbstüberschätzung sowie seinen Irrtümern auseinander. Dadurch nimmt er dem Projekt das Narzisstische und verleiht dem Ganzen etwas sehr Sympathisches. Hinzu kommt die Erkenntnis, dass er zwar allein reist und allein Entscheidungen treffen muss, aber doch immer wieder andere Menschen braucht, um sein Ziel zu erreichen. Es ist die Hilfsbereitschaft, die Großzügigkeit der Personen, denen er begegnet, die dazu führt, dass es bei allen Hindernissen letztlich weitergehen kann. Man müsse lernen, frei zu sein, sagt Vogel an einer Stelle – und ebenso muss er lernen, anderen zu vertrauen.

Überdies ist "Egal was kommt" auch ein Film über die Liebe. Wie Miriam ihre gemischten Gefühle in Bezug auf das einjährige Abenteuer ihres Freundes beschreibt, wie sie ihn in vermeintlich ausweglosen Situationen aus der Ferne sowie vor Ort in Indien unterstützt – das ist nicht weniger schön anzusehen als in zahlreichen Hollywood-Romanzen, nur ist es hier tatsächlich echt und aufrichtig. Auch die Worte von Vogels Mutter – dass Eltern ihre Kinder loslassen müssen, damit diese zurückkehren können – berühren.

Fazit: Ein gelungener Dokumentarfilm über das Unterwegssein in der Welt, über die erstaunliche Hilfsbereitschaft der Menschen – und über die Liebe.




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