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Kritik: Das Wunder von Mals (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Wenn Alexander Schiebels Dokumentarfilm über eine pestizidfreie italienische Gemeinde in die Kinos kommt, werden die Methoden der konventionellen Landwirtschaft auch in Deutschland längst kritisch beäugt. Das Insektensterben und die von der Europäischen Union mehrfach gerügten, zu hohen Nitratwerte im Grundwasser sind nur die derzeitigen Spitzen einer lange anhaltenden Diskussion. "Das Wunder von Mals" will hier auch einen Lösungsweg aufzeigen.

Schiebel rückt Mals und dessen Aktivisten ganz bewusst als gallisches Dorf ins Bild. Ein Kameraflug und folkloristische Akkordeonklänge inszenieren es als von Monokulturen eingeschlossene Idylle. Einige seiner Interviewpartner ziehen einen direkten Vergleich zu René Goscinnys und Albert Uderzos unbeugsamen Helden Asterix und Obelix aus den Comicheften. Eloquente Geprächspartner wie der Apotheker Johannes Fragner-Unterpertinger vermitteln das komplexe Thema anschaulich und lebendig.

Schiebel begleitet diesen Kampf mit der Kamera. Bereits Vergangenes rekapituliert er als Erzähler aus dem Off, oder er lässt es die Beteiligten nachinszenieren, was nicht immer souverän aussieht. Auch das ständige Akkordeongedudel und Schiebels klare Positionierung verlangen dem Publikum gute Nerven und Nachsicht ab. Der Filmemacher steht aufseiten der Biobauern und Aktivisten. Den Blick der Gegenseite lässt er bis zuletzt nicht zu.

Damit surft auch "Das Wunder von Mals" auf einer Öko-Welle, die lediglich für die eigene Sache wirbt. Ausgewogen ist das nicht, aber zumindest nachvollziehbar, weil Schiebel der eh schon übermächtig erscheinenden Gegenseite aus Bauernbund und Landesregierung aller Wahrscheinlichkeit nach kein zusätzliches Forum bieten möchte. Zeigte der Film nur die Seite der Aktivisten, wäre das auch legitim. Wenn der Regisseur ganz beiläufig in Nebensätzen aus dem Off dann aber unbelegte Vorwürfe erhebt, ist eine Grenze überschritten. Hier bringt er sein gutes Anliegen völlig unnötig in Misskredit.

Fazit: "Das Wunder von Mals" macht anderen (Umwelt-)Aktivisten Mut, weiter für ihre Sache zu kämpfen. Wie viele Werke über ökologische Themen ist auch Alexander Schiebels Dokumentarfilm parteiisch, was sein gutes Anliegen letztlich in Misskredit bringt.




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