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Mary und die Blume der Hexen
Mary und die Blume der Hexen
© Peppermint-Anime

Kritik: Mary und die Blume der Hexen (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der japanische Regisseur dieses Animefilms, Hiromasa Yonebayashi, hatte, bevor er 2014 zum Studio Ponoc ging, fast 20 Jahre beim berühmten Animationsstudio Ghibli gearbeitet. Dort inszenierte er am Schluss auch den für einen Oscar nominierten Animefilm "Erinnerungen an Marnie". Wie jener Film basiert auch "Mary und die Blume der Hexen" auf einer englischen Romanvorlage. Es handelt sich diesmal um das Kinderbuch "Der verbotene Besen" von Mary Stewart. Die fliegenden Besen, der Besen-Reitunterricht an der Magier-Universität und vieles mehr wird die Zuschauer dieses Films an die Welt von Harry Potter erinnern, aber die Buchvorlage erschien 1971, lange vor den Romanen von J.K. Rowling. Die abenteuerliche Handlung ist sehr actionreich, denn die junge Heldin Mary bekommt es mit mächtigen Gegnern zu tun.

Die rothaarige Mary wird als neugieriges, kontakthungriges Mädchen porträtiert, das sich nicht so leicht ins Bockshorn jagen lässt.Die geheimnisvolle blaue Blume und der Ausflug in den Wald, der bei Nebel nicht betreten werden darf, katapultieren Mary aus dem beschaulichen Dorf in ein Reich über den Wolken. Die Magier-Universität erscheint wie ein Ort, an dem alles möglich ist. Die Leute fliegen beispielsweise auf Teppichen oder in Seifenblasen herum, die Architektur und die Einrichtung zeugen von Kreativität und Futurismus. Doch die Universität hat eine dunkle Seite, den ein Kerker repräsentiert, in den Tiere gesperrt werden, an denen experimentiert werden soll. Anders als in Harry Potters Zauberschule Hogwarts liegt die Macht nicht bei den guten Kräften. Die Magie wird als zwar faszinierende, aber gefährliche und auf Dauer unnötige Kunst dargestellt.

Die prallvolle Handlung hätte auch gut mit ein paar Wendungen weniger auskommen können. Der Kampf Marys um die Befreiung Peters spielt sich zwischen zwei gegensätzlichen Welten, dem realen Dorf und der Uni über den Wolken ab. Emotional gibt es wenig Verbindung, die Geschichte hat etwas Kühles an sich. Aber die beiden Katzen, die miauend Zweifel anmelden und Warnungen ausstoßen können, erobern sofort die Sympathien der Zuschauer. Und Mary ist als aufgewecktes Mädchen auch eine gute Identifikationsfigur. Zum Genuss machen den Film aber die wunderschönen, handgezeichneten Animationen. Die gemalten Hintergründe mit der lieblichen Landschaft und die ideenreiche Gestaltung der Universität lassen keine Wünsche offen.

Fazit: Der japanische Anime-Regisseur Hiromasa Yonebayashi beweist mit dieser zauberhaft bebilderten Geschichte über die Begegnung eines Mädchens mit dem Reich der Magie, dass er den künstlerischen Maßstäben des Studios Ghibli nach dem Wechsel zum Studio Ponoc treu geblieben ist. Die handgezeichneten Animationen sind eine Augenweide und beflügeln mit ihrem Ideenreichtum die Fantasie. Die auf einer englischen Buchvorlage basierende, actionreiche Geschichte erinnert zuweilen an die "Harry Potter"-Romane. Doch Mary wird trotz des traumwandlerischen Trips an die Zauberer-Universität keine Freundin der Hexerei.




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