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Ava
Ava
© eksystent distribution filmverleih

Kritik: Ava (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Ava" ist das Spielfilmdebüt und die Abschlussarbeit der 1989 geborenen Léa Mysius, die an der bedeutenden Pariser Filmhochschule La fémis studierte. Mysius verbrachte die ersten 13 Jahre ihres Lebens auf der Médoc-Halbinsel im südwestlichen Frankreich – und erzählt nun von einer 13-Jährigen, die in ebenjener Region ihre Sommerferien verbringt. Das Drehbuch, das unter Mitwirkung von Mysius' Kameramann Paul Guilhaume entstand, schildert einerseits eine typische Coming-of-Age-Story über die Entdeckung der eigenen Sexualität sowie der ersten Liebe; andererseits wohnt der Geschichte durch die Tatsache, dass die junge Protagonistin bald ihr Augenlicht verlieren wird, aber auch eine ungewöhnliche Melancholie inne, die indes mit erstaunlicher Verve bekämpft wird.

In der bitteren Erwartung, bald gänzlich von Dunkelheit umgeben zu sein, will die Titelheldin zuvor noch möglichst viele Erfahrungen machen – und Mysius nimmt dies zum Anlass, ein ungebändigtes, erfrischend rast- und zielloses modernes Märchen auf die Leinwand zu bannen. Frei von jeglicher Formelhaftigkeit entwickelt die Filmemacherin aufregend-abenteuerliche Situationen, die in herrlichen 35mm-Aufnahmen eingefangen und von recht mysteriös anmutenden Klängen begleitet werden. Bereits die Eröffnungssequenz ist visuell überaus einnehmend – wenn ein schwarzer Schäferhund am Badestrand durch die Menschenmenge streift und schließlich auf die im Halbschlaf liegende Ava trifft. Avas Faszination für den Hund führt wiederum zur Begegnung mit dem rebellischen Juan – und zu weiteren Passagen voller Energie, wenn sich das adoleszente Paar etwa mit Lehm beschmiert und die touristische Gegend als Outlaw-Trio (mit Hund) gehörig aufmischt. Hinzu kommen diverse surreal wirkende (Traum-)Bilder, die in Erinnerung bleiben.

Manches in "Ava" hat etwas Unausgereiftes; gleichwohl passt diese skizzenhafte Herangehensweise perfekt zum Thema des Erwachsenwerdens. Die Konflikte mit der Mutter und die Gefühlskonfusionen, die Juan in Ava auslöst, werden von der Kino-Debütantin Noée Abita glaubhaft verkörpert; die Ängste und Sehnsüchte der Figur sind bei allem Chaos stets nachvollziehbar.

Fazit: Eine wilde, originell gefilmte Adoleszenzgeschichte, die Düsteres mit Lebhaft-Komischem gekonnt verbindet und eine wunderbare Hauptdarstellerin zu bieten hat.




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