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Auf der Suche nach Paul
Auf der Suche nach Paul
© Lueprofilm

Kritik: Auf der Suche nach Paul (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der in der namibischen Hauptstadt Windhoek geborene Lübke war noch ein Kleinkind, als er Mitte der 60er-Jahre mit seiner Familie nach Deutschland übersiedelte. Dort machte er später im hessischen Butzbach das Abitur und studierte Sonderpädagogik in Heidelberg. Neben seiner Tätigkeit als Pädagoge ist Lübke darüber hinaus als Kunsterzieher und Künstler tätig. Zu seinen künstlerischen Schwerpunkten zählen Radierungen, Plastiken und die Malerei.

"Auf der Suche nach Paul" ist eine sehr persönliche, poetische Reise-Doku, die dem Zuschauer nicht nur die Geschichte einer ganz außergewöhnlichen, tiefen Freundschaft näher bringt. Denn der Film weitet sein Blick und betrachtet neben der titelgebenden Suche nach dem früheren Freund immer wieder auch andere, spannende Themen und Inhalte. Etwa den Aspekt, dass heute rund 20 000 Deutschnamibier in der südwestafrikanischen Republik leben. Viele von ihnen sind voll integriert, können die Sprache und verdienen sich ihren Lebensunterhalt als Farmer. So zum Beispiel auch ein deutschstämmiger Farmer, der seit vielen Jahren in Namibia lebt und der Lübke und damit auch dem Zuschauer lehrreiche Einblicke in das heutige Farmersleben mit allen Pflichten und Tätigkeiten gewährt. "Ich betrachte mich selbst als Namibier", sagt der Farmer, der damit die tiefe Verbundenheit mit seiner (Wahl-)Heimat ausdrückt.

Ein anderes Thema, das Lübke im Film anreißt: die Apartheid. In der Zeit, als das Foto von Paul und Lübke entstand, befand sich die ethnische Trennung auf dem Höhepunkt. Er habe die Rassentrennung damals nicht wahrgenommen, sagt der Filmemacher an einer Stelle. "Wir Kinder kannten diesen Unterschied gar nicht und Pauls Mutter gehörte einfach dazu." Mit diesen wichtigen, wahrhaftigen Äußerungen macht Lübke unbewusst klar, dass es doch immer die Erwachsenen sind, die mit ihren rückständigen, antiquierten Meinungen, Ressentiments und unmenschlichen Verhaltensweisen für Ausgrenzung und Leid sorgen.

Dennoch steht die Suche nach dem alten Freund dramaturgisch klar im Zentrum des mit einem ehrlichen, sympathischen Kommentar unterlegten Films. Geschickt baut Lübke dabei immer wieder Spannung auf und steuert gemächlich und ohne erzählerische Hektik auf den Höhepunkt zu: Das Wiedersehen der beiden Freunde, die sich freilich viel zu erzählen haben. Toll sind zudem die vielen alten Familienbilder aus der Zeit in Namibia, die nicht nur für einen hohen Nostalgiefaktor sorgen sondern auch eine längst vergangene Zeit visuell erfahrbar machen. Eine Zeit, in der Namibia noch fremdverwaltet wurde und Südwestafrika hieß. Die Tatsache, dass Lübke ausgewählte Stellen aus dem Tagebuch der Mutter sowie dem Jahresbericht des Vaters in seinen Film einbaut zeugt darüber hinaus vom großen Mut, sich mit den Gedanken und Ansichten der Eltern auseinanderzusetzen.

Fazit: Nachdrückliche, mit vielen aufschlussreichen Infos und liebenswerten Anekdoten angereicherte Reise zurück in die eigene Vergangenheit.




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