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Peppermint - Angel of Vengeance
Peppermint - Angel of Vengeance
© Universum Film

Kritik: Peppermint - Angel of Vengeance (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 1 / 5

So sehr man sich darüber freuen möchte, dass die frühere "Alias"-Darstellerin Jennifer Garner mit "Peppermint – Angel of Vengeance" ihr Actioncomeback feiert, so ärgerlich ist die platte Art und Weise, wie der Film den Rundumschlag seiner Heldin beschreibt. Der von Haudrauf-Spezialist Pierre Morel ("The Gunman", "96 Hours") inszenierte Reißer steht unverkennbar in der Tradition von Michael Winners viel diskutiertem Selbstjustizklassiker "Ein Mann sieht rot", schert sich allerdings noch weniger darum, die groß angelegte Vergeltungsoffensive seiner Hauptfigur zu hinterfragen. Kritische Stimmen sind allenfalls schmückendes, alibimäßiges Beiwerk.

Von Anfang an bemühen sich der Regisseur und Drehbuchautor Chad St. John ("London Has Fallen"), die Taten ihrer schwer traumatisierten Protagonistin zu legitimieren, und greifen dabei auf billigste Erklärungsmuster zurück. Das Rechtssystem wird als lächerlich ineffizient, bürgerfeindlich und korrupt beschrieben, was den Feldzug der ehemaligen Bankangestellten Riley North (Jennifer Garner) zur einzig sinnvollen Antwort machen soll. Statt die Trauer über den Verlust ihres Mannes (Jeff Hephner) und ihrer Tochter (Cailey Fleming) zumindest etwas genauer zu beleuchten, beschränkt sich "Peppermint – Angel of Vengeance" auf einen geradlinigen, handwerklich solide umgesetzten, allerdings selten wirklich spannenden Actionparcours, bei dem sich mehrfach Glaubwürdigkeitsprobleme auftun.

Unverständlich ist schon die Entscheidung, warum Rileys Wandel von der liebevollen Ehefrau und Mutter zur knallharten, in Waffen- und Sprengstofffragen versierten Kampfmaschine fast gänzlich außerhalb des Sichtfeldes bleibt. Die 180-Grad-Wende findet während eines fünfjährigen Zeitsprungs statt und wirkt zu weit hergeholt, um das beinahe superheldenhafte Auftreten der gnadenlosen Rächerin plausibel zu erklären. Grotesk mutet darüber hinaus die Tatsache an, dass Morel die von Garner engagiert und dynamisch verkörperte Killeramazone zu einem Schutzengel der Armen und Entrechteten zu stilisieren versucht. Dieser Gedanke wird nicht nur komplett ungelenk in den Handlungsablauf integriert, sondern steht auch noch im krassen Widerspruch zu Rileys geradezu psychopathischem Gebaren.

Da "Peppermint – Angel of Vengeance" nahezu alle Klischees des Selbstjustizkinos bedient, könnte man fast meinen, der französische Regisseur wolle das seit jeher kontroverse Subgenre mit seiner Arbeit parodieren. Tatsächlich zieht er den unreflektierten, haarsträubenden und ohne interessante Brüche auskommenden Amoklauf dafür jedoch viel zu bierernst durch.

Fazit: Pierre Morels Actionthriller zeigt kein bisschen Feingefühl im Umgang mit seiner Rachethematik, türmt diverse Ungereimtheiten aufeinander und ist derart plump konstruiert, dass selbst Jennifer Garners ordentliche Performance keine große Wirkung zeigt.




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