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Kritik: Die Känguru-Chroniken - Reload3d (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Im Jahr 2009 veröffentlichte der Kabarettist und Autor Marc-Uwe Kling "Die Känguru-Chroniken", die zum Bestseller avancierten. Inzwischen gibt es vier Bücher und vier Hörbücher über das sprechende, kommunistische Beuteltier, welches beim Berliner Kleinkünstler Marc-Uwe einzieht, um ihm Gesellschaft zu leisten und sein Leben aufzumischen. In den satirischen Anekdoten tritt es als unerschrockener Gegner des Zeitgeists, von Kapitalismus, Konsumzwang, Rechtspopulismus auf. Eine Eigenschaft, die seinem Freund Marc-Uwe mehr zu schaffen macht, ist sein lupenreiner Egoismus. Nun bekommt das Duo aus den beliebten Geschichten einen Kinofilm, zu dem Marc-Uwe Kling das Drehbuch schrieb und bei dem Dani Levy ("Alles auf Zucker") Regie führte.

Für den Film musste eine durchgehende Handlung entwickelt werden. Marc-Uwe und das Känguru, dem der reale Kling die Stimme leiht, bekommen einen Bösewicht gegenübergestellt für ein actionreiches Kräftemessen. Der reiche und mächtige Bauunternehmer Dwigs verkörpert gleich zwei negative Zeitphänomene, den ungezügelten Kapitalismus in der Stadtentwicklung und den Rechtspopulismus. Mit Dwigs und seiner Partnerin Jeanette (Bettina Lamprecht) gerät die Handlung zur saftigen AfD-Persiflage.

Doch so gut aufgelegt Henry Hübchen den Charakter Dwigs auch spielt, haftet diesem doch auch etwas Langweiliges an. Dass profitgierige Bauunternehmer einen Kiez, eine kleine Idylle bedrohen, ist ein filmisch – sogar im Kinderfilmgenre - mittlerweile abgedroschenes Motiv. Es nimmt dem Känguru den subversiven Wind aus den Segeln, denn um Dwigs‘ Gegner zu sein, bedarf es gar keiner kommunistischen Einstellung.
So lässt der Film einiges vom Biss der Buchvorlage vermissen, während der auch dort reichlich vorhandene Klamauk gut zum Zuge kommt. Es wird in einer Kneipe wie in einem Western-Saloon gerauft und die teuren Sportwagen von Dwigs erfahren eine unsanfte Behandlung. Ein paar lustige Buch-Episoden wie Marc-Uwes Psychotherapie-Sitzungen oder die Gerichtsverhandlung gegen ihn als Känguru-Halter werden jedoch gut umgesetzt.

Anarchischer als die Handlung selbst klingt die Musik, besonders der zentrale Filmsong sorgt für ordentlich Schwung. Das Känguru ist als Animationsfigur in Motion-Capture-Technik ausgesprochen gut gelungen, sein Aussehen, seine Gestik passen zu seinen schnodderig-unbekümmerten Sprüchen. Schade nur, dass es der Komik trotzdem oft an mutigem Biss und zündenden satirischen Ideen fehlt.

Fazit: Aus Motiven seiner episodischen Geschichten im gleichnamigen Buch hat Marc-Uwe Kling das Drehbuch für eine satirische Filmkomödie mit durchgehender Handlung verfasst. Darin bekommen es das kommunistische, überzeugend animierte Känguru und sein menschlicher Begleiter Marc-Uwe mit einem fiesen rechtspopulistischen Bauunternehmer zu tun. Unter der Regie von Dani Levy entfaltet sich actionreicher Klamauk, in dem der Dialogwitz den Zeitgeist zwar manchmal schwungvoll aufspießt, insgesamt aber doch etwas dünn gesät bleibt.




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