VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Shoplifters
Shoplifters
© Central Film © Wild Bunch

Kritik: Shoplifters - Familienbande (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Eine rätselhafte Familie, die aus Außenseitern und Kleinganoven besteht, steht im Zentrum dieses spannenden Dramas, das auf dem Filmfestival von Cannes 2018 die Goldene Palme gewann. Der Regisseur Hirokazu Kore-eda präsentiert sie in fast jeder Hinsicht als regelwidrig – und lässt sie doch funktionieren. Im Verlauf des Films mehren sich die Anzeichen, dass diese Ausgestoßenen und Abtrünnigen formal wenig verbindet. Aber sie haben gemeinsam ihr Bedürfnis und auch ihre Fähigkeit entdeckt, füreinander Familie zu sein.

Osamu, der dem Jungen Shota das Klauen beigebracht hat, verlangt von ihm vergeblich, als "Vater" angesprochen zu werden. Shota soll auch Yuri als seine neue Schwester akzeptieren. Mit der kleinen Yuri, die in diese Ganovenfamilie hineinkommt, lernen auch die Zuschauer ihre Mitglieder kennen und deren Art, Beziehungen einzugehen. Yuri hängt sich vertrauensvoll an Shota, der wiederum eifersüchtig wird, als Osamu die Kleine nach einem Diebstahl lobt.

Die Oma schließt Yuri gleich ins Herz, aber Osamu und Nobuyo reden oft wenig respektvoll über die Alte. Genauso oft werden die emotionale Distanz im täglichen Umgang und kritische Bemerkungen in Humor gekleidet und damit neutralisiert. Es baut sich sogar in diesem lockeren Aufeinandertreffen aller am Morgen und am Abend, in den Zweier- und Dreierkontakten, die sich während des Tages ergeben, eine selbstverständliche Nähe auf. Yuri blüht auf, Nobuyo entdeckt mütterliche Gefühle, Osamu und Nobuyo, die wenig Zuneigung füreinander zeigten, beschnuppern sich wieder. Shota ist in der Pubertät, er beginnt, Zweifel an der Autorität Osamus zu hegen – auch das ist ein normaler Vorgang, wie ihn jede Familie erlebt. Manchmal aber führt er auch zum Bruch.

Die kreative Idylle zwischen Messie-Unordnung, Diebesgut aller Art und vereinbarten Lügen droht von der Gesellschaft, die auf der Einhaltung der Gesetze besteht, zermalmt zu werden. Wie düster es hingegen in manchen scheinbar gesetzeskonformen Familien aussieht, dafür interessiert sich die Gesellschaft hier weniger. Kore-eda scheint für mehr individuelle Freiheit und für vielfältigere Formen des Zusammenlebens in der immer noch traditionell ausgerichteten japanischen Gesellschaft zu plädieren. Diesen Außenseitern und Lebenskünstlern bei ihrem Projekt Familie zuzuschauen, wirkt wie eine fröhliche Aufforderung zum Querdenken.

Fazit: Das japanische Drama von Hirokazu Kore-eda präsentiert eine Familie, die ihr Geld nicht nur auf ehrliche Weise verdient und auch sonst einiges zu verbergen hat. Zum Beispiel, dass es sich bei ihrem jüngsten Mitglied um ein entführtes Kind handelt, nach dem gefahndet wird. Indem sich der Film in die lebhaften Beziehungen innerhalb dieser Gemeinschaft vertieft, erklärt er sie provokant zur Alternative für das traditionelle Familienmodell in einer Gesellschaft, die Anpassung verlangt und soziale Kälte produziert. Das kühne Experiment dieser familiären Utopie wird humorvoll aufgeblättert und sichert sich die Sympathien der Zuschauer.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.