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Kritik: Mellow Mud - Sanfter Schlamm (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Mellow Mud" ist das Langfilmdebüt des 1975 in Riga geborenen Drehbuchautors und Regisseurs Renārs Vimba. Das Werk feierte 2016 auf der Berlinale in der Sektion "Generation 14plus" seine Premiere und wurde dort mit dem Gläsernen Bären prämiert; seither wurde es auf zahlreichen weiteren Festivals gezeigt und ausgezeichnet. Die Coming-of-Age-Geschichte der beinahe volljährigen Raya überzeugt sowohl als Milieustudie, die sich dem (Über-)Leben in einer von kargen Landschaften geprägten lettischen Region widmet, als auch als Porträt einer jungen Frau, die plötzlich die volle Verantwortung für sich und ihren Bruder Robis übernehmen muss.

Die atmosphärischen Bilder, die Vimba mit seinem Kameramann Arnar Thor Thorisson findet, um die Provinz in Lettland einzufangen, sind treffend und auf eine zurückhaltende Art symbolisch aufgeladen: Wenn sich Raya und Robis auf dem Weg zu ihrem Haus durch Schlamm und dreckige Pfützen kämpfen müssen, werden damit auch die inneren Konflikte der Geschwister beschrieben. Die Erzählweise ist bei aller Tragik der Geschehnisse und bei aller Tristesse des Umfeldes ruhig und unaufgeregt. Es geht Vimba nicht darum, sein Publikum mit der prekären Situation der Heranwachsenden zu schockieren, sondern sich sensibel mit seinen Figuren zu befassen und vor allem auf visuellem Wege spürbar zu machen, wie diese sich fühlen.

Elīna Vaska (Jahrgang 1994), die in "Mellow Mud" erstmals auf der Leinwand zu sehen ist, spielt die Rolle der Protagonistin hervorragend. Sie lässt sowohl Rayas Stärke als auch deren Überforderung erkennen. Die Chemie zwischen ihr und ihrem Filmbruder Andžejs Lilientāls ist stets glaubhaft; ebenso gelungen sind die Szenen zwischen Vaska und Edgars Samītis, der Rayas Englischlehrer verkörpert. Auch in der Schilderung der Beziehung zwischen Schülerin und Lehrer verzichtet das Werk auf eine Skandalisierung und lässt die Blicke und Gesten der Beteiligten nachvollziehbar für sich sprechen.

Fazit: Ein einfühlsam erzähltes Jugenddrama in rauen, eindrücklichen Bildern und mit einer großartig-facettenreichen Hauptdarstellerin.




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