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Weil du nur einmal lebst - Die Toten Hosen auf Tour
Weil du nur einmal lebst - Die Toten Hosen auf Tour
© NFP marketing & distribution © Filmwelt © avanti media fiction 2019

Kritik: Weil du nur einmal lebst - Die Toten Hosen auf Tour (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Cordula Kablitz-Post beginnt am Ende. Sänger Campino bedankt sich für "diese geile Nacht" und stimmt den Song "Schönen Gruß, auf Wiederseh’n" an. Die Massen singen frenetisch mit. Bassist Andi stürzt sich samt Instrument in die Menge, Campino jagt die Bühne rauf und runter. Der Abschluss eines erfolgreichen Konzertabends bildet den Auftakt eines Dokumentarfilms über das Leben auf Tour, über Solidarität und politisches Engagement im Musikgeschäft und über das Altern im Punkrock.

Für ihren Film über eine der bekanntesten Bands Deutschlands hat sich die Regisseurin Unterstützung geholt. Kablitz-Post zeichnet für die Impressionen vom Touralltag und die Interviews verantwortlich, ihr Kollege Paul Dugdale führte bei den Konzerten Regie. Die Aufnahmen sind stimmungsvoll, mitunter mitreißend, aber auch nicht sonderlich spektakulär. Als erzählerischer Spannungsbogen dient Kablitz-Post ein unglücklicher Zufall. Als Campino einen Hörsturz erleidet, steht und fällt die restliche Tour mit seiner Genesung. Die nachdenklichen Zwischentöne der Bandmitglieder während der erzwungenen Pause zählen zu den Höhepunkten.

Wer "Die Toten Hosen" nicht kennt, wird es schwer haben mit diesem Film. Kablitz-Post konzentriert sich ganz auf das Tourgeschehen. Hintergrundinfos zur Bandgeschichte, ihren Mitgliedern oder der Entstehung und Bedeutung ihrer Musik liefert "Weil du nur einmal lebst" kaum welche bis gar keine. Fans und befreundete Musiker kommen nur am Rande, Experten überhaupt nicht zu Wort. Die Faszination für diese Band erschließt sich all jenen, die bislang noch nicht mit dem "Hosen"-Fieber infiziert sind, allenfalls ansatzweise.

Kablitz-Post kennt Campino, hat schon zweimal mit ihm fürs Fernsehen gedreht. Diese Nähe und Vertrautheit öffnet Türen, wirkt zuweilen aber auch wie ein Hemmschuh. Die lange Tour bietet ausreichend Steilvorlagen, bei denen die Filmemacherin nur stumme Beobachterin bleibt, anstatt entschieden nachzuhaken. (Etwa beim Verhältnis von Punk und Kommerz, auf das Campino erst in den letzten Minuten eingeht. Oder wenn Schlagzeuger Vom davon spricht, nach 20 Jahren immer noch der Außenseiter in der Gruppe zu sein.) Die "Hosen" mögen "keine Diven mit Allüren" sein, wie es die Regisseurin in einem Interview formuliert hat. Das zeigt ihr Film eindrücklich. Kablitz-Post stellt dieses Bild, das die Bandmitglieder allzu gern von sich selbst zeichnen, aber auch nie auf den Prüfstand.

"Weil du nur einmal lebst" richtet sich zuallererst an eingefleischte "Hosen"-Fans. Für diese funktioniert der Film prima, liefert aber auch kaum Neues. Es geht mehr darum, die Live-Atmosphäre und den Touralltag nachzuempfinden. Wer von den Düsseldorfer Punk-Urgesteinen nicht genug bekommen kann, kann deren letzte Tour nun noch einmal im Kino mit ihnen durchleben.

Fazit: "Weil du nur einmal lebst" ist ein Dokumentarfilm, der den Touralltag einer der bekanntesten deutschen Bands atmosphärisch dicht, mitunter mitreißend nachverfolgt, sich mit seinem beengten Blick und ohne kritische Nachfragen vornehmlich aber an Fans richtet.




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