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Scala Adieu - von Windeln verweht
Scala Adieu - von Windeln verweht
© Filmdisposition Wessel

Kritik: Scala Adieu - von Windeln verweht (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Mit seinem Dokumentarfilm "Scala Adieu – von Windeln verweht" widmet sich der in Konstanz aufgewachsene Douglas Wolfsperger der Schließung des Programmkinos "Scala Filmpalast" im Konstanzer Stadtzentrum. Das 1938 eröffnete Lichtspielhaus mit Arthouse-Schwerpunkt war für den Regisseur mit zahlreichen eigenen Kindheits- und Jugenderinnerungen verbunden – weshalb er einen ganz subjektiven Zugang zu dem Thema wählt. Via voice-over schildert er seine Eindrücke – und lässt diverse weitere cinephile Personen zu Wort kommen, denen der regelmäßige Besuch im "Scala" stets viel bedeutete.

So berichtet etwa die Schauspielerin Eva Mattes, die zwischen 2002 und 2016 in 31 Episoden als Konstanzer "Tatort"-Kommissarin Klara Blum zu sehen war, wie sie das örtliche Kino einst entdeckte und wie sehr sie die heutige Vernachlässigung der Kultur in den Städten bedauert. Spannend sind auch die Einblicke in das Kinoverhalten und die große Leidenschaft für die septième art einiger Bewohnerinnen und Bewohner diesseits und jenseits der deutsch-schweizerischen Grenze. Wenn zum Beispiel die Schweizerin Monika Riniker, die als Psychiatrieschwester im Nachtdienst tätig ist, erzählt, wie sie circa 25 Jahre lang täglich (!) über die Grenze ging, um im "Scala" einen Film zu sehen, ist das ebenso einnehmend wie ihre Schilderung des Tages, an dem sie ihren damaligen Freund mitnahm, um mit diesem das Drama "Liebe" von Michael Haneke zu sehen: Da der Mann das einfühlsame Werk als ungenießbar empfand, war er in ihrem Beziehungstest prompt durchgefallen.

Neben der Liebe zum Film und dem Protest der Bürgerinnen und Bürger befasst sich Wolfsperger auch mit der Entwicklung der Stadt Konstanz und dem dort entstandenen Einkaufstourismus. Er gibt Einblick in die Kommunalpolitik sowie in das ökonomisch orientierte Denken des CDU-Oberbürgermeisters und hält in melancholisch stimmenden Bildern fest, wie die großen "Scala"-Buchstaben von der Fassade des Gebäudes entfernt werden.

Fazit: Ein interessanter Blick auf die Schließung eines Programmkinos in Konstanz und auf die Menschen im Umfeld, die das Ende dieser Ära entweder beklagen oder befürworten.




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