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Nordddeutschland bei Nacht
Nordddeutschland bei Nacht
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Kritik: Norddeutschland bei Nacht (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Das Besondere am Dokumentarfilm von Marcus Fischötter ist nicht, dass er eine Landschaft von oben inspiziert, sondern dass die Aufnahmen in der Nacht entstanden sind. Der Hubschrauber mit der Kamera lässt sich von beleuchteten Gebieten in der norddeutschen Region von Niedersachsen bis Mecklenburg-Vorpommern anlocken. Die Kommentarstimme berichtet Wissenswertes und immer wieder gibt es Begegnungen mit einzelnen Menschen, die nachts unterwegs sind, um zu arbeiten oder auch um eine Mondfinsternis zu betrachten. So bietet der Film den Zuschauern eine ansprechende Mischung aus schönen Aufnahmen historischer Stadtkerne, Informationen über Industrie, Schifffahrt, örtliche Attraktionen und auch Ausflüge in die Natur.

Die Reise im Stil eines Rundflugs mit Stippvisiten am Boden ist dramaturgisch auf eine Nacht beschränkt. Oft gibt es Superlative zu vermelden, "die meistbefahrene künstliche Wasserstraße der Welt", "die größte deutsche Werft", "das größte Ölfeld Deutschlands", "Europas größte Güterdrehscheibe". Diese Informationen verweisen darauf, dass der Norden stolz auf seine Produktivität sein kann.

Dramaturgisch sehr reizvoll ist die Suche nach dunklen Landstrichen im Norden, etwa in einem Naturpark in Mecklenburg-Vorpommern. Dort prüft ein Physiker gerade, ob der Sternenhimmel hell genug, nämlich unbeeinträchtigt von künstlichen Lichtquellen, erstrahlt. Ist diese Bedingung erfüllt, darf das Gebiet dann zum Sternenpark, einer neuen Touristenattraktion, erklärt werden. Und so wie der Filmhubschrauber doch meistens den Lichtquellen folgt, locken diese in einem Naturschutzgebiet in Schleswig-Holstein die Nachtfalter an. Um ihren Bestand zu erforschen, hat ein Biologe auf der Wiese ein Lichtzelt aufgestellt. Im vorigen trockenen Sommer, sagt der Experte, sei die Anzahl der Falter erschreckend stark zurückgegangen. Andernorts inspizieren Männer mit einer Drohne, die mit einer Wärmebildkamera bestückt ist, ein Feld: Bevor es gemäht wird, sollen Rehkitze und andere Tiere im Gras aufgespürt und vor dem Tod bewahrt werden. Sehr interessant ist auch die Stippvisite auf Sylt, wo der Strand zur Verstärkung regelmäßig aufgespült wird mit neuem Sand aus dem Meer, den ihm die stürmische See bald wieder raubt.

Fazit: Wie sieht Norddeutschland aus, wenn nachts die Lichter angehen? Der Dokumentarfilm von Marcus Fischötter nähert sich aus der Luftperspektive hell erleuchteten Städten und Industrielandschaften, wagt aber auch ein paar Abstecher hinaus in die Natur. Es gibt schöne Altstädte zu bewundern und man erfährt einiges über die industrielle und gewerbliche Leistungskraft der Region, in der auch nachts vielerorts gearbeitet wird. Einige Nachtarbeiter werden besucht und erzählen über ihre Tätigkeit. Der reizvolle, informative Film tastet sich hier und da auch in die einsame Natur und zum Thema der Lichtverschmutzung vor.




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