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The Woman in the Window
The Woman in the Window
© 20th Century Fox

Kritik: The Woman in the Window (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 1 / 5

Mit "The Woman in the Window" liefert der in London geborene Regisseur Joe Wright ("Die dunkelste Stunde") eine Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers von A.J. Finn. Das Skript stammt von Tracy Letts, der neben seiner erfolgreichen Arbeit fürs Theater auch im Filmbusiness schon positiv als Schauspieler und Autor aufgefallen ist. Die Produktionsgeschichte des Werks ist durchwachsen – so kam es nach schlechten Testvorführungen zu Nachdrehs; dennoch ließ nicht zuletzt die hervorragende Besetzung um Amy Adams, Gary Oldman, Jennifer Jason Leigh, Julianne Moore und Anthony Mackie auf hochwertige Hollywood-Unterhaltung hoffen.

Diese Hoffnung wird allerdings in jeder Hinsicht enttäuscht. Adams lässt (wie üblich) volles Engagement erkennen, kann damit aber nicht kaschieren, dass ihre Rolle absolut mangelhaft gezeichnet ist und in eine nicht selten unfreiwillig komische Inszenierung geworfen wird, die sich weder für die Agoraphobie der Protagonistin Anna noch für deren traumatische Ursachen ernsthaft interessiert. "The Woman in the Window" könnte ein spannender Film über Trauer, über seelische Störungen oder über das Phänomen Gaslighting (eine Form von psychischer Gewalt) sein oder wenigstens eine gelungene Variation des Hitchcock-Klassikers "Das Fenster zum Hof" (1954) – aber er ist schlichtweg nichts davon. Für eine halbwegs glaubhafte Auseinandersetzung mit den genannten Themen fehlt dem Mix aus Drama und Thriller jegliches Feingefühl; für ein Spiel mit filmhistorischen Motiven lässt er – anders als etwa Brian De Palmas "Der Tod kommt zweimal" (1984) oder Robert Zemeckis' "Schatten der Wahrheit" (2000) – die Raffinesse vermissen.

So schafft es Wright weder ein Werk mit Tiefgang noch einen überzeugenden Genre-Beitrag vorzulegen. Der Film möchte (vermutlich) Hitchcock-Thrill bieten, landet indes eher auf dem Niveau eines Mystery-Heftchenromans aus dem Bastei-Verlag oder eines gescheiterten B-Movies wie "Ich weiß, wer mich getötet hat" (2007). Leider fällt das Ganze noch nicht einmal in die Kategorie "So schlecht, dass es schon wieder gut ist", da die Talentverschwendung allzu ärgerlich ist: Das Ensemble schwankt zwischen Overacting (Oldman, Moore) und Unterforderung (Leigh, Mackie) – und auch der Score von Danny Elfman mutet wie eine missglückte Parodie auf spannungserzeugende Musik an.

Fazit: Auf jede nur erdenkliche Weise ist dieser Film eine Enttäuschung. Die Stars wirken verloren, die Geschichte ist abstrus und oberflächlich erzählt und die Inszenierung meilenweit von Hitchcock entfernt.




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