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Kritik: Ready or Not - Auf die Plätze, Fertig, Tot (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Wenn Familien zusammenkommen, um ein besonderes Ereignis zu feiern, sind große Dramen manchmal nicht weit entfernt. Gerade Hochzeitsfeste eignen sich perfekt für Eskalationen – mit verhängnisvollen Folgen für die Partystimmung. Eine solche Erfahrung macht auch die Protagonistin im sarkastischen Horrorthriller "Ready or Not – Auf die Plätze, fertig, tot", die sich am vermeintlich schönsten Tag ihres Lebens urplötzlich in einer perfiden Menschenjagd wiederfindet.

Da sie ihren Verlobten Alex Le Domas (Mark O’Brien), den Spross einer schwerreichen Familie von Brettspielunternehmern, aufrichtig liebt, möchte die junge Grace (Samara Weaving) ihre Beziehung unbedingt offiziell besiegeln. Nach einer bewegenden Zeremonie auf dem Anwesen seiner Eltern staunt die Braut nicht schlecht, als die Angehörigen ihres Mannes zu später Stunde eine alte Tradition aufleben lassen wollen, mit der alle neuen Mitglieder begrüßt werden. Aus einem geheimnisvollen Kästchen zieht Grace schließlich eine Karte mit der Aufschrift "Versteckspiel", bei dem sie allein gegen den Rest der Anwesenden antreten muss. Etwas belustigt sucht sie sich kurz darauf ein stilles Plätzchen in der weitläufigen Villa, nur um dann entgeistert festzustellen, dass Alex‘ Verwandte ihr nach dem Leben trachten.

Das Regiegespann Matt Bettinelli-Olpin und Tyler Gillett verplempert keine Zeit mit einer langen Einführung, sondern etabliert recht schnell das über Grace hereinbrechende, stark ironisch gefärbte Bedrohungsszenario. Die Prämisse des Films klingt absurd. Und genau diese bizarre Note kosten die Macher von Anfang an lustvoll aus. Die Figuren, besonders im Lager der wohlhabenden Schnösel, bekommen bloß grobe Striche verpasst und geben sich teilweise ganz offen als wandelnde Karikaturen zu erkennen. Im Zentrum steht eindeutig der Überlebenskampf mit seinen kuriosen Wendungen und seinen tödlichen Missgeschicken, nicht eine ausgeklügelte Charakterzeichnung.

"Ready or Not – Auf die Plätze, fertig, tot" hat inhaltlich wenig zu bieten, holt aber erstaunlich viel Unterhaltungswert aus der Hatz heraus. Für eine bedrückende Atmosphäre sorgen die entsättigten Bilder und das mit obskuren Luxusgütern vollgestopfte, oft spärlich ausgeleuchtete, labyrinthisch wirkende Setting. Gerade weil die mörderische Suche in einer gediegenen, exklusiven, altehrwürdigen Umgebung stattfindet, breitet sich ein eigenartiges Unbehagen aus, das trotz vieler Humorspitzen nicht verfliegt. Kurzweil garantiert neben der temporeichen, schnörkellosen Inszenierung die furiose Performance der Hauptdarstellerin, die den Betrachter geschickt auf ihre Seite zieht. Mit reichlich Schwung und Witz torpediert Samara Weaving das Klischeebild des einfältigen, hilflosen Blondchens und lässt Graces Entwicklung zur wütenden Gegnerin halbwegs glaubwürdig erscheinen. Hier und da hätte der Film sicherlich statt des Holzhammers eine feinere Klinge benutzen können, um sein satirisches Potenzial besser auszuschöpfen. Als kleiner, garstiger, die Verrücktheiten der Oberschicht durch den Kakao ziehender Reißer gibt "Ready or Not – Auf die Plätze, fertig, tot" insgesamt aber eine ordentliche Figur ab.

Fazit: Horrorspaß ohne große Ambitionen, der jedoch ausreichend Tempo hat und von einer zupackenden Hauptdarstellerin getragen wird.




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