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Kritik: Das größte Geschenk (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der in Madrid geborene Cotelo arbeitet auch als Produzent, Drehbuchautor sowie Schauspieler. In "Das größte Geschenk" ist er in einer Nebenrolle zu sehen. Seine erste Produktion war die Doku "La última cima" (2008), größere Bekanntheit erlangte Cotelo allerdings erst fünf Jahre später mit "Mary’s Land". Darin befasste er sich mit Menschen, deren Leben sich durch Marienerscheinungen nachhaltig veränderten.

Ironisierend beschreibt Cotelo den Wunsch des Kinozuschauers nach einem Happy-End, also nach einem positiven und zufriedenstellenden Ende für alle Protagonisten, wenn er in der fiktionalisierten Wild-West-Rahmenhandlung ein Schießduell zwischen zwei Cowboys unerwartet beendet – indem er als sich selbst spielender Regisseur von außen einschreitet und auf satirische Weise die Bedeutung eines Happy-End für den Film betont. Vor den Augen aller, etwas verdutzt dreinblickender Darsteller. Ein sei kein Happy-End, wenn einer dem anderen den Kopf wegschießt, sagt er. Ein erfrischender, humorvoller Umgang mit den Erwartungshaltungen der Zuschauer und heutigen Sehgewohnheiten.

Das Fiktionale verlässt Cotelo, in dem er von wahren Geschichten tragischer Schicksale und persönlicher Katastrophen berichtet. Er spricht mit Müttern, deren Kinder bei terroristischen Anschlägen getötet wurden, mit einer Frau, die – als 12-Jährige – bei einem Attentat beide Beine verlor oder mit einem Missbrauchsopfer, das den Tätern (den eigenen Eltern) nach Jahren verzeiht. Denn das tun alle Protagonisten des Films: Sie beweisen Nachsicht und Gnade und vergeben den Mördern, Vergewaltigern und Terroristen. Die Szenen, die das Aufeinandertreffen von Opfern und Tätern zeigen, sind emotional und lassen auch den Zuschauer nicht ungerührt.

Einen Hang zu religiösen sowie spirituellen Elementen und die Fähigkeit, Vergebung als großes Geschenk zu betrachten, sollte man als Betrachter dieses glaubensstarken Doku-Dramas allerdings auf jeden Fall mitbringen. Cotelo vergisst mitunter, dass diese Bereitschaft zur Aussöhnung nicht jeder Mensch gleichermaßen aufbringen kann. Und dass Vergebung nur mit Gebet und Gott möglich sei, wird Kinobesuchern, die dem religiösen Glauben an sich wenig abgewinnen können, nur schwer zu vermitteln sein.

Fazit: Zum Nachdenken anregende, weitestgehend bewegende filmische Annäherung an das komplexe Thema der Aussöhnung und Vergebung, die allerdings Gottvertrauen und -glaube voraussetzt.




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