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Congo Calling
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© JIP Film und Verleih

Kritik: Congo Calling (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Um den Tod kommt man in diesem Land scheinbar nicht herum. Während der Dreharbeiten zu Stephan Hilperts Dokumentarfilm "Congo Calling" kommt es beim Amani Musikfestival im ostkongolesischen Goma zu einem Zwischenfall. Djoo Paluku wird von einem Polizisten tödlich verwundet, als er einen Streit schlichten will. Nach den Dreharbeiten verbrennt Luc Nkulula, der wie Paluku am Film mitgewirkt hat, nachts in seinem Haus. Auf Palukus Tod folgen Bestürzung, Trauer, Ratlosigkeit, aber auch der Trotz, weiter für mehr Demokratie im Kongo zu kämpfen. Hilperts Film pendelt zwischen diesen Extremen. Trotz des Elends ist dieser Film voller Zuversicht.

Nach und nach geraten seine Protagonisten an ihre Grenzen. Allesamt sind sie ungemein reflektiert, mit ihrem Latein aber auch irgendwann am Ende. Hilpert fängt ihre Gedanken und Gefühle präzise beobachtend, nah, dabei aber nie aufdringlich ein. Ergänzt durch die Kongolesen Christian, der sich von den Forschungsgeldern verführen lässt, und Fred, der seinen Freiheitskampf selbst nach einer Gefängnisstrafe nicht aufgibt, zeigt Hilpert zwei Seiten einer Medaille. Vorgefertigte Afrika-Bilder werden hie und da bestätigt, aber ebenso gut beständig unterlaufen. Manche Kongolesen sehen in der Entwicklungshilfe die Wurzel allen Übels, andere nehmen sie dankend an. Bittsteller will von den im Film Gezeigten keiner sein und doch macht Gelegenheit Diebe.

"Congo Calling" ist ein Porträt dreier engagierter Menschen, die an ihren Aufgaben scheitern, aber auch an ihrem Scheitern wachsen. Hilperts Dokumentarfilm zeigt schlicht, dass die Lage nicht so einfach ist, wie manche Politiker und Wähler (jedweder Couleur) es gern hätten. In kleinen, intimen Szenen und intensiven Gesprächen arbeitet er die kulturellen Unterschiede und Gemeinsamkeiten heraus. Ein ruhiger, differenzierter Blick in eine krisengeschüttelte, ungemein lebendige Region.

Fazit: Die Welt ist nicht so simpel, wie viele sie gern hätten. Am Beispiel dreier Entwicklungshelfer arbeitet Dokumentarfilmer Stephan Hilpert ein intimes, stellenweise intensives und differenziertes Porträt dreier Menschen und einer krisengeschüttelten Region heraus.




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