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IRIS - A space opera by Justice
IRIS - A space opera by Justice
© Kinostar

Kritik: IRIS - A space opera by Justice (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Bei der aus Gaspar Augé und Xavier de Rosnay bestehenden Band Justice handelt es sich um eines der bekanntesten Aushängeschilder der französischen elektronischen Musik. Mit einer sich stetig weiterentwickelten Mischung aus diversen House-Richtungen, in der sich auch ein kaum zu überhörender Rock-Einfluss findet, welcher sich vor allem in spezifischen Bassläufen und der Verwendung von verzerrten Synthesizern äußert, begeistern die beiden seit 2003 eine weltweite Fanschar. Der Erfolg von Justice ist aber nicht nur auf die Musik zurückzuführen, sondern darauf, dass sich Justice von Anfang an als audiovisuelles Gesamtpaket präsentierten, was sich nicht nur im Rockstar-mäßigem Look, in außergewöhnliche Musikvideos, sondern auch in visuell ausgefeilte Live-Auftritten äußert, so ist zum Beispiel ein großes, weiß leuchtendes lateinisches Kreuz ein fester Bestandteil jeder Bühnenshow.

Allerdings beließen es Augé und Rosnay nie beim Status Quo und sind über die Jahre stets zu neuen Ufern aufgebrochen, waren jederzeit für Überraschungen gut und so ist mit "IRIS: A Space Opera" nun ein Konzertfilm zu sehen, der in einem leeren Raum ohne Publikum aufgenommen wurde. Wie die 25-minütige Einleitung erläutert, wurde immer und immer wieder versucht, die Auftritte in adäquater Form einzufangen, nur fiel kein Versuch zur Zufriedenheit des Duos aus. Abgesehen davon, dass traditionelle Konzertfilme in den Augen der Franzosen eh ein wenig altbacken wirken, störte es die Musiker, dass gerne interessante Bühnenaktivitäten verpasst werden, da die Kameras im falschen Moment die Zuschauer im Blick haben und so kam man auf die Idee, die zwischen 2017 und 2018 absolvierte "Woman World Wide Tour" in Form einer bearbeiteten Adaption im Kino zu präsentiere, die die Aufmerksamkeit voll und ganz auf die Präsentation und die Musik lenken sollte. Einflüsse waren dabei Filme wie "Pink Floyd: Live At Pompeii" (1972), "Blade Runner" (1982) oder "2001: Odyssee im Weltraum" (1968); letzterer macht sich besonders in den langsam gleitenden, sanften Kamerafahrten bemerkbar, die natürlich in einem steilen Kontrast zur sonst eher auf Tempo geeichten Umsetzung vergleichbarer Projekte stehen.

Die Bühneninstallation besteht dabei aus einer sich stetig im Fluss befindenden Struktur, die sich aus 13 voneinander unabhängig bewegenden Komponenten zusammensetzt, von denen wiederum jede einzelne aus vier rotierenden Panelen in Form von LEDs, Spiegeln oder warmen Lichtern besteht, was eine unendliche Anzahl von Kombinationen zulässt. Diese Struktur bewegt sich während des ganzen Auftritts und tunkt jeden Song in eine neue futuristische Ästhetik, die gelegentlich von kleineren Videoeinschüben mit Aufnahmen von Planeten und anderem unterbrochen wird.

Wer jetzt ein großes "Hä?" über der Birne schweben hat: Es ist, auch wenn’s wie ein Floskel klingt, schwer so wirklich in Worte zu fassen, was sich da vor einem abspielt: Das Ganze ist zwar mehr Kunstinstallation als alles andere und wirkt mit zunehmender Laufzeit – gerade durch die Abwesenheit des Publikums, aber auch durch den Umstand, dass die Musiker letztendlich nur noch ein kleiner Teil des großen, in den verschiedensten Farben schillernden Ganzen sind – etwas leblos, ist aber einfach zauberhaft anzusehen und dabei wahrscheinlich mehr Science Fiction als die meisten Spielfilme der letzten Jahre.

Wenn man mit elektronischer Musik was anfangen und sich auch einfach mal auf einen Bilderrausch einlassen kann sollte einen Versuch wagen – "IRIS: A Space Odyssee" kommt leider nur als einmaliges Event in die Kinos, wobei Kino hierfür eigentlich eh nicht so ganz die passende Wahl ist, Rosnay wäre es, was durchaus nachvollziehbar ist, am liebsten, der Film würde auf eine Kuppel projiziert werden und die Zuschauer würden ihn im Liegen sehen.

Aber gut, man nimmt, was man kriegt.

Fazit: Visuell überwältigende, experimentelle Kino-Adaption der "Woman Worldwide Tour" der französischen Electro-Titanen Justice und einmaliges Kino-Erlebnis!




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