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Moselfahrt aus Liebeskummer
Moselfahrt aus Liebeskummer
© Seitz GmbH

Kritik: Moselfahrt aus Liebeskummer (1953)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der zwischen August und Oktober 1953 entlang der Mosel, in Trier, Bernkastel-Kues sowie auf Schloss Lieser gedrehte Film erfährt 66 Jahre nach der Premiere seine große Wiederaufführung. Der von Kurt Hoffmann gedrehte Mix aus Heimatfilm und Liebesschmonzette wurde dafür runderneuert und generalüberholt: Vollständig digital überarbeitet und restauriert startet er in der Moselregion und deutschlandweit in einigen ausgewählten Kinos.

Aus der Masse der in den 50er-Jahren während der Zeit des Wirtschaftswunders entstandenen Heimatfilme ragt "Moselfahrt aus Liebeskummer" aus zweierlei Gründen hervor: Zum einen bricht Regisseur Hoffmann mit einigen gängigen Versatzstücken und geläufigen Elementen des Genres, wodurch er Mut und inszenatorische Experimentierfreude bewies. Da wäre zum Beispiel der Verzicht auf Hauptfiguren, die aus dem Moseltal direkt stammen, dort leben und sich voll und ganz mit diesem identifizieren. Vielmehr geht es um Menschen, die – ungewöhnlich für einen Heimatfilm – "auf Reisen" sind und die titelgebende Region lediglich von außen, als Touristen, betrachten – und auf diese Weise für einen unverstellten, unvoreingenommenen Blick auf Land und Leute stehen.

Der zweite, wichtigere Grund, der "Moselfahrt aus Liebeskummer" seine Existenzberichtung gibt und ihn letztlich zu jenem regionalen Kultfilm von historischer Bedeutung und großem Wert gemacht hat, der er heute ist: Die Fülle an herausragenden Sehenswürdigkeiten und – vor allem landschaftlichen – Schauwerten sowie Natur-Schönheiten, die es in dieser Form am jeweiligen Ort längst nicht mehr gibt. Denn der Film, der zu 80 Prozent aus Außenaufnahmen besteht, zeigt unter anderem den zweitlängsten Nebenfluss des Rheins vor der Flussbett-Begradigung und noch ohne die unschönen, martialischen Staustufen, wie wir sie heute kennen.

Zudem gewährt er einen Blick auf die legendäre Moselbahn, die bis in die frühen 60er-Jahre rechts des Flusses zwischen Trier und Bullay ihre Bahnen zog. Und zuletzt liefert der Klassiker natürlich auch noch einen authentischen, aus heutiger Sicht vielfach heiteren Eindruck vom damals vorherrschenden, konservativ geprägten Familienbild und dem starren Rollenbild von Mann und Frau.

Fazit: Romantisch angehauchter Heimat-Klassiker mit viel Gefühl, Lokalkolorit und einmaligen, historisch wertvollen Impressionen des Moseltals der 50er-Jahre.




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