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Kritik: Lucian Freud Ein Selbstporträt (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

In der Ausstellung, eine Zusammenarbeit der Londoner Royal Academy of Arts mit dem Museum of Fine Arts in Boston, stehen Freuds Selbstdarstellungen im Zentrum: vom frühesten Porträt aus den späten 30er-Jahren bis zum letzten Bild, das Mitte der 00er-Jahre entstand. Freud, den der bekannte britische Kunstkritiker Robert Hughes einst als "größten lebenden Maler Englands" bezeichnete, galt als Meister der figuralen Malerei. Er konzentrierte sich in seinem künstlerischen Schaffen vor allem auf Menschen und tierische Lebewesen, die er in teils minutiöser, detaillierter Arbeit porträtierte. Nicht selten zogen sich die Sitzungen, während derer Freud seine Modelle malte, über viele Wochen hin.

Schockieren und verblüffen wolle er mit seinen Bildern, hat Freud einmal gesagt. Er, der Urenkel des berühmten Psychoanalytikers Sigmund Freund, konnte mit seinen (im wahrsten Sinne) überlebensgroßen Porträts, Selbstporträts und Stillleben die Menschen tatsächlich in seinen Bann ziehen und überraschen. "Lucian Freud" zeigt einige der berühmtesten, ikonografischsten Arbeiten von Freud, die in einem Zeitraum von über 60 Jahren entstanden. Darunter solch bedeutende Bilder und Gemälde wie "Lucian Freud, 1949", "Startled Man" , "Sleeping Nude" aber auch spätere Kunstwerke wie "Der Mann mit dem blauen Schal" (2004).

Der Film macht deutlich, wie sich Stil und Techniken des großen Künstlers über all die Jahre gewandelt haben: von den dünnflächig aufgetragenen Pinselstrichen der Anfangszeit bis hin zu den eher dickflüssiger wirkenden, reliefartigen Gemälden späterer Jahre. Darüber hinaus erfährt man einiges über Freuds Antrieb, persönliche Motivationen und Einflussfaktoren. Er war regelrecht besessen von der ausdrucksstarken Porträtmalerei Rembrandts (ein Besuch im Amsterdamer Rijksmuseum rundet den Film ab), dessen Gemälde der Film als Vergleiche heranzieht. Kunstexperten, Freud-Kenner und Kuratoren ordnen Freuds Werk ein und informieren zudem fundiert und kenntnisreich über andere Stilrichtungen sowie Künstler, die auf Freud einen entscheidenden Einfluss hatten. Darunter einige französische Meister des 19. Jahrhunderts wie Ingres oder Courbet.

Fazit: Informative, imposant bebilderte Doku über einen Meister der modernen Poträtmalerei.





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