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Kritik: Mishima (1985)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5


Mit "Mishima – Ein Leben in vier Kapiteln" schuf der US-Drehbuchautor und -Regisseur Paul Schrader, unter anderem bekannt für sein meisterhaftes Skript zu "Taxi Driver" (1976) und für das erotische Thriller-Drama "Ein Mann für gewisse Stunden" (1980), im Jahr 1985 ein äußerst ungewöhnliches Biopic über den japanischen Schriftsteller und Poeten Yukio Mishima. Der 1925 geborene Künstler avancierte in der Nachkriegszeit zu einer Größe der Literatur – und beging im November 1970 den traditionellen Selbstmord Seppuku, nachdem ein von ihm initiierter Putschversuch auf die Militärbasis des Landes scheiterte. Der Film wird nun als restaurierter Director's Cut wiederaufgeführt.

Das Drehbuch, das Schrader gemeinsam mit seinem Bruder Leonard schrieb, erzählt nicht einfach den Werdegang des titelgebenden Protagonisten nach, sondern parallelisiert den letzten Tag im Leben von Mishima sowie dessen Kindheitserinnerungen mit drei von ihm verfassten Erzählungen, die unter den Schlagworten "Schönheit", "Kunst" und "Tat" jeweils ein Kapitel bilden. Auf diese Weise werden Biografie und künstlerische Handschrift reizvoll miteinander verwoben. Bemerkenswert ist zudem die audiovisuelle Umsetzung: Der Score von Philip Glass ist überaus einnehmend, die Aufnahmen des Kameramanns John Bailey – mal in Schwarz-Weiß, mal in leuchtenden Farben – sind herrlich artifiziell. Das Werk kommt der avantgardistischen Anmutung von Mishimas Arbeiten dadurch erstaunlich nah.



"Mishima – Ein Leben in vier Kapiteln" versucht nicht, den gezeigten Künstler und Menschen zu begreifen, sondern schildert gekonnt dessen Widersprüchlichkeit. Der 2008 verstorbene Hauptdarsteller Ken Ogata verkörpert den Part mit Extravaganz und Pathos und lässt stets den inneren Kampf Mishima erkennen.


Fazit: Eine unkonventionelle Filmbiografie, die Leben und Werk des berühmten japanischen Schriftstellers Yukio Mishima in einer clever konstruierten Form auf die Leinwand bannt und dabei eindrückliche Momente hervorbringt.




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