VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Miles Davis: Birth of the Cool
Miles Davis: Birth of the Cool
© Piece of Magic Entertainment

Kritik: Miles Davis: Birth of the Cool (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der Untertitel dieses Dokumentarfilms ist mehrdeutig. "Birth of the Cool" heißt jene Platte, die den Übergang vom Bebop zum Cool Jazz markiert, also für eine der vielen Wandlungen in Miles Davis' facettenreicher Karriere steht. "Birth of the Cool" steht aber auch für eine Lebenseinstellung. Stets in feinstem Zwirn gekleidet, schöne Frauen an seiner Seite und teure Sportwagen fahrend, erschuf der Jazztrompeter eine eigene Persona. Davis war eine Art schwarzer Steve McQueen, ein afroamerikanischer "King of Cool".

Regisseur Stanley Nelson geht ausgiebig auf dieses öffentliche Bild ein, blendet dabei die dunklen Seiten dieses geplagten Genies aber nicht aus. Zu schillernden Archivaufnahmen trägt Schauspieler Carl Lumbly, Davis' Reibeisenstimme imitierend, dessen Lebenserinnerungen aus dem Off vor. Darin gibt sich der große Künstler mal selbstbewusst, mal selbstkritisch. Seinen lebenslangen Drogenmissbrauch erkennt er als Übel und Ursache so manches Gewaltausbruchs an, lässt ihn aber nie als faule Ausrede gelten.

Miles Davis ist nicht die erste schwarze Persönlichkeit des öffentlichen Lebens, der sich Nelson widmet. Der 1955 geborene Regisseur, Autor und Produzent hat sich in seinen Produktionen bereits der schwarzen Tagespresse ("The Black Press: Soldiers Without Swords", 1999), Rückzugsorten für schwarze Urlauber ("A Place of Our Own", 2004) und gleich mehrfach der Bürgerrechtsbewegung ("Freedom Riders", 2010, "The Black Panthers: Vanguard of the Revolution", 2015 u. a.) gewidmet. Mit "Miles Davis: Birth of the Cool" schreibt Nelson seine ganz persönliche, dokumentarische Geschichte eines schwarzen Amerikas fort.

In dieser Künstlerbiografie schwingt die ganze Kreativität, aber auch Tragik vieler schwarzer Kulturschaffender mit, die wie Davis akzeptiert und doch ausgegrenzt, letztlich zeitlebens Getriebene waren. Nelson zeichnet Davis' bewegtes und (zu) kurzes Leben von der Geburt 1926 bis zum Tod 1991 akribisch nach. Formal hätte es gern etwas mehr Jazz sein dürfen. Ab und an steigert sich die Montage in einen rhythmischen Rausch. Größtenteils verharrt der Film aber im handelsüblichen Modus. Eine gefällige Doku über ein geplagtes Genie – freilich mit umwerfender Musik.

Fazit: Die Musik ist der große Trumpf in diesem Dokumentarfilm über ein gleichermaßen kreatives, revolutionäres, wandlungsfähiges und geplagtes Genie. Formal kratzt Regisseur Stanley Nelson nur an der Oberfläche eines bewegten wie bewegenden Lebens.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.