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Kritik: Der Atem (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Dieser Film ist ein Erlebnis. Ein schwarz-weißes Gedicht, ein cineastischer Traum. Schon viele Filme haben versucht, die Stimmung einer Großstadt einzufangen. Manchen gelingt das vorzüglich wie Walter Ruttmanns "Berlin – Die Sinfonie der Großstadt" (1927), anderen misslingt es wie dem an Ruttmanns Film angelehnten "Symphony Of Now" (2018). Auch wenn Uli M Schueppels Abschluss seiner Trilogie primär um ein anderes Thema kreist, ist ihm ein großartiger Großstadtfilm gelungen.

Der Auftakt der "BerlinGesänge" stammt noch aus dem alten Jahrtausend. In "Der Platz" (1997) widmete sich Schueppel dem Thema "Raum" rund um den Potsdamer Platz. Elf Jahre später folgte "Der Tag" (2008), der sich dem Thema "Zeit" über das bis heute häufig tabuisierte Thema Tod näherte. Zu Beginn der 2020er-Jahre kommt nun der dritte und letzte, noch im gerade zu Ende gegangenen Jahrzehnt vollendete Teil in die Kinos. Darin packt Schueppel das Thema "Körper" über den menschlichen Atem an.

Der in Schwarz-Weiß gedrehte Film ist grobkörnig und unerhört kontrastreich. Wenn bei Straßenarbeiten die Funken sprühen, erstrahlt Berlin im heißen Regen. Wenn ein U-Bahnfahrer seine Runden dreht, ziehen sich die Waggons wie ein Leuchtband durch die Dunkelheit. Aus dem Off erzählen die Menschen, die Schueppel durch die Nacht begleitet, aus ihrem Leben. Es sind intime, mal brutale, mal zärtliche Geschichten. Das sieht atemberaubend aus und raubt einem immer wieder den Atem.

Fazit: Im abschließenden Teil seiner "BerlinGesänge"-Trilogie widmet sich Uli M Schueppel dem verbindenden Element des menschlichen Atems. Auf seiner Reise durch die Nacht ist ihm ganz nebenbei ein großartiger Großstadtfilm geglückt. Atemberaubend!




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