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Kill me today, tomorrow I'm sick!
Kill me today, tomorrow I'm sick!
© Preview Enterprises

Kritik: Kill me today, tomorrow I'm sick! (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der unter anderem in Südtirol gedrehte Film feierte seine Weltpremiere im September 2018 beim Montreal Filmfestival in Kanada. Erstmals in Deutschland gezeigt wurde er einige Wochen später beim Filmfest in Hof. "Kill me today, tomorrow I’m sick" ist eine Gemeinschaftsarbeit der Regisseure Tobias Streck und Joachim Schroeder.

Mit bewusst überspitztem Humor und treffsicherem Wortwitz liefern Schroeder und Streck eine satirische Bestandsaufnahme des undurchsichtigen Chaos und der verworrenen Lage im Nachkriegs-Kosovo 1999. Die Vielfalt an Ethnien (Albaner, Serben, Kroaten, Bosniaken u.a.) und Menschen unterschiedlicher kultureller Prägung vor Ort manifestiert sich unter anderem anhand der vielen im Film zu hörenden Sprachen. Mal hören wir Deutsch, mal Englisch, dann wieder Albanisch und Serbisch. In mitten dieser konfusen Situation folgen wir der resolut auftretenden Anna, die auf allerlei Widerstände trifft – und auf ein Sammelsurium an skurrilen, schrulligen Figuren.

Darunter der Macho-hafte aber liebenswürdige Plaka (herrlich großspurig und selbstverliebt: Carlo Ljubek), der vermeintliche Freiheitskämpfer Rhaci (Boris Milivojevic), der sich schließlich sich als Mafioso entpuppt, oder auch Annas OSZE-Kollegen, die oft doch nur ihren eigenen Interessen folgen. Gelungen sind die vielen überaschenden, den Erwartungshaltungen der Zuschauer zuwiderlaufenden Gastauftritte, bei denen die Darsteller ihr Image augenzwinkernd und genüsslich aufs Korn nehmen.

So sind unter anderem Rechtsanwalt und (Media Markt-) Werbefigur Joachim Steinhöfel als Annas gelackt-unsympathischer Chef und Henryk M. Broder als vom Spiegel geschasster Kollege zu sehen, der eine Vorliebe für "starke Frauen" hat. Insgesamt zeigen sich alle Akteure in ihren Rollen spielfreudig und engagiert. Dasselbe gilt für die abwechslungsreiche Kameraarbeit von Gergely Timar und Peter Pasztor. Die Beiden setzen mal auf statische Einstellungen und ruhige Momentaufnahmen, mal auf verwackelte Handkamerabilder, die den Zuschauer mitten ins Geschehen manövrieren – und dabei ein hohes Maß an Unmittelbarkeit und Authentizität erzeugen.

Fazit: Scharfsinnige, ebenso bissige wie kluge Satire über das Chaos im Kosovo der späten 90er-Jahre, mit spielfreudigen Darstellern besetzt und pointiertem Witz umgesetzt.




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