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Kritik: Warum ich hier bin (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Worüber wurde im Zuge der "Flüchtlingskrise" 2015 nicht alles diskutiert. Politiker, Experten und Bürger jedweder Couleur kamen zu Wort. Nur den Betroffenen hörte die Öffentlichkeit viel zu selten zu. Das holen die Regisseurinnen Mieko Azuma und Susanne Mi-Son Quester nun nach. In ihrem Dokumentarfilm versammeln sie fünf Menschen, die ihre Heimat aus ganz unterschiedlichen Gründen verlassen haben.

Im Zentrum steht der zehnjährige Ahmad, der mit seinen Eltern und zwei jüngeren Brüdern aus Syrien geflohen ist. Gemeinsam mit Ahmad besuchen die Filmemacherinnen dessen Schule, unterhalten sich mit seinen Mitschülern und seinem besten Freund Collin. Für seine Altersgenossen ist Ahmads Ankunft kein Problem, ganz im Gegenteil. In der kleinen Klasse ist jeder Neuankömmling eine willkommene Bereicherung.

Neben Ahmad, den Azuma und Quester auch in seinem privaten Umfeld begleiten, kommen vier weitere Interviewpartner aus unterschiedlichen Generationen zu Wort. Auch deren Gründe, ihr Geburtsland zu verlassen und nach Deutschland zu kommen, sind vielfältig. Tolle Animationen setzen die einzelnen Biografien in Szene und dimmen die harten Schicksale, die hinter mancher Lebensgeschichte stecken, auf ein kindgerechtes Niveau.

"Warum ich hier bin" richtet sich in erster Linie an Kinder. Die Mischung aus Interviews und Animationen erleichtert es dem jungen Publikum, die Konzentration hochzuhalten und komplexe Gedankengänge und längere Aussagen nachzuvollziehen. Aber auch Erwachsene können viel aus diesem Dokumentarfilm mitnehmen und sei es nur die Tatsache, dass es in jeder Generation Geschichten über Flucht und Vertreibung gibt. Eine Tatsache, die viele selbst von Flucht Betroffene allzu gern vergessen.

Fazit: Dieser Dokumentarfilm, der sich in erster Linie an Kinder richtet, von dem aber auch Erwachsene eine Menge lernen können, sensibilisiert das junge Zielpublikum für Flucht und Fluchtursachen. Die Regisseurinnen hören den Betroffenen zu und machen ohne erhobenen Zeigefinger klar, dass hinter jeder Zahl in den Statistiken ein persönliches Schicksal steckt.




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