VG-Wort

oder
Die Rückkehr der Wölfe
Die Rückkehr der Wölfe
© Mythenfilm

Kritik: Die Rückkehr der Wölfe (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

In seinem neuen Dokumentarfilm packt Thomas Horat ("Wätterschmöcker", "Ins Holz") ein politisch heißes Eisen an. Die Ausgangslage ist so simpel, wie sie für einige Betroffene brisant ist: "Es stellt sich bei uns nicht mehr die Frage, ob wir den Wolf wollen oder nicht, er ist einfach da", erklärt Horat in einem Regiestatement. Dementsprechend geht er nicht der Frage nach, was für und was gegen den Wolf spricht, sondern der Frage, wie der Mensch mit der Rückkehr des Wolfes am besten umgeht.

Dafür blickt Horat über seinen Schweizer Tellerrand hinaus. Dass ein Zusammenleben funktionieren kann, zeigen Beispiele aus der Lausitz, aus Minnesota, Polen und Bulgarien, wo der Wolf wieder da ist oder nie weg war. Und ein Blick zurück in die Geschichtsbücher macht deutlich, dass die Menschen in Mitteleuropa schlicht verlernt haben, mit dem Wolf (und anderen Raubtieren) zu leben. Doch auch die Sorgen, Nöte und Ängste der Bauern und Schafhirten kommen zu Wort. Die Aussagen von Tierforschern, Verhaltensforscher und Biologen fungieren als vermittelnde Stimmen.

Auf einen erläuternden oder gar wertenden Kommentar aus dem Off verzichtet der Film. Stattdessen fügt er die Aussagen zu einem vielstimmigen Dialog zusammen. Herausgekommen ist einer der seltenen Dokumentarfilme, bei dem das Publikum wirklich jede Position nachvollziehen kann. Nach dem Kinobesuch scheint tatsächlich ein Mittelweg möglich. Vielleicht liegt es ja daran, dass sich der Wolf und der Mensch ähnlicher sind, als manchen Menschen lieb sein mag. Auch das hat man durch diesen Film gelernt.

Fazit: Vielerorts ist der Wolf wieder da und wird so schnell nicht verschwinden. In seinem Dokumentarfilm, der jede Position nachvollziehbar macht, zeigt Thomas Horat mögliche Wege auf, wie ein Zusammenleben zwischen Mensch und Tier gelingen könnte.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.