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Martin Margiela - Mythos der Mode
Martin Margiela - Mythos der Mode
© Filmwelt / Reiner Holzemer Film RTBF Aminata Productions

Kritik: Martin Margiela - Mythos der Mode (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

In seinem neuen Dokumentarfilm widmet sich der deutsche Regisseur Reiner Holzemer ("Dries") dem Schaffen des 1957 geborenen belgischen Modedesigners Martin Margiela. Dabei steht der Filmemacher vor der Herausforderung, einen Mann zu porträtieren, der sein Gesicht nicht in der Öffentlichkeit zeigt. "Martin Margiela – Mythos der Mode" nutzt daher die Hände und die Stimme des Designers, um dessen Werdegang zu schildern – und lässt darüber hinaus (neben weiteren Interviewten) die Schöpfungen Margielas sprechen. Das Ergebnis ist ein reizvolles audiovisuelles Werk, das begreifbar macht, weshalb Margiela noch immer vielen als große Inspiration dient.

Als Meister der Dekonstruktion machte Margiela das Handwerkliche, den nötigen Entstehungsprozess der Mode sichtbar – die Nähte und Fäden, die üblicherweise verborgen bleiben. Auch ließ er beispielweise bei einer Präsentation auf dem Laufsteg seine Kleider in den Reinigungshüllen, mit denen sie überzogen waren. Holzemer befasst sich in seinem Film eingehend mit Margielas zahlreichen Kollektionen, lässt den äußerst humorvollen und sympathischen Schöpfer ausgiebig zu Wort kommen, um uns zu vermitteln, worauf Margiela in seiner Arbeit wert legt – und welche Regeln er im Laufe der Zeit zu brechen wagte. Zu Wort kommen als talking heads überdies etwa Margielas Mentor und Kollege Jean Paul Gaultier, die Ex-"Vogue"-Chefredakteurin Carine Roitfeld sowie die niederländische Trendforscherin Lidewij Edelkoort.

"Martin Margiela – Mythos der Mode" ist in seiner Präzision gewiss ein Genuss für alle Mode-Fans, bietet aber auch Leuten, die weniger vertraut mit der Materie sind, einen spannungsreichen Einblick in eine Welt, die weit mehr als schönen Schein zu bieten hat.

Fazit: Ein gelungenes dokumentarisches Porträt, das einem Menschen, der die Öffentlichkeit meidet, auf einfühlsame Weise eine Bühne gibt und die Kreativität feiert.




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