VG-Wort

oder
3100 Meilen: Laufen für die Seele
3100 Meilen: Laufen für die Seele
© mindjazz pictures

Kritik: 3100 Meilen: Laufen für die Seele (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"3100 Meilen: Laufen für die Seele" ist das neue dokumentarische Werk von Sanjay Rawal ("Food Chains"). Der Regisseur widmet sich darin dem jährlich im New Yorker Stadtteil Queens stattfindenden Self-Transcendence 3100 Mile Race – und zugleich dem Laufen als spirituelle Erfahrung.

Bereits der Einstieg des Films ist überaus atmosphärisch. Wir sehen Bilder aus New York City bei Temperaturen über 40 Grad; die Hitze ist spürbar – und dadurch auch die Anstrengung, die der 45-jährige Finne Ashprihanal Aalto als Teilnehmer des Marathons empfinden muss. Rawal zeigt uns, wie sich Aalto neun Monate zuvor dazu entschließt, den Lauf ein weiteres Mal zu absolvieren. Als Spitzenreiter der Ewigen Tabelle mit 13 abgeschlossenen Läufen und acht Siegen sowie als Weltrekordhalter muss sich der Zeitungsausträger aus Helsinki gewiss nichts mehr beweisen; er ist ein zurückhaltender, aber doch auch zielstrebiger Mensch. Die von Sean Kirby geführte Kamera fängt ihn unter anderem dabei ein, wie er sich mit seinem Mentor und Freund unterhält und wie er ein Meditationszentrum besucht. Für Aalto ist die Verbindung von Spiritualität und Sport von hoher Bedeutung – und diese spielt auch beim Self-Transcendence 3100 Mile Race eine zentrale Rolle. Während des 52-tägigen Straßenlaufs sind Aaltos Tagebucheinträge via voice-over zu hören; eingeblendete Texte liefern zudem Erklärungen.

Auch die österreichische Cellistin Shamita Achenbach-König wird als Teilnehmerin näher beleuchtet und in ihrer Heimatstadt gezeigt. Darüber hinaus vermittelt Rawal, dass das Laufen als Methode zur persönlichen Entwicklung und Selbstüberwindung eine lange Tradition hat, indem er kurze Einblicke in andere Lebenswelten gibt – etwa von den Mönchen der Tendai-Schule am Berg Hiai. Diese Passagen erreichen nicht ganz die Stärke der Szenen in New York City, Helsinki und Wien, zeichnen sich aber ebenfalls durch eine gute Kameraarbeit aus.

Fazit: Ein einnehmend gefilmter Blick auf die Wirkung des Laufens und die Teilnahme am sommerlichen 52-Tage-Marathon in Queens.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.