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Kritik: Venom: Let There Be Carnage (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Mit "Venom: Let There Be Carnage" von Andy Serkis wird die düstere, von der Kritik verschmähte, finanziell jedoch erfolgreiche Comicverfilmung "Venom" (2018) fortgesetzt. Das Werk spielt im selben Universum wie die jüngsten "Spider-Man"-Filme mit Tom Holland in der Hauptrolle, weshalb sich Fans der Reihe auf Bezüge zum großen End-Twist von "Spider-Man: Far From Home" (2019) freuen dürfen. Das "Venom"-Sequel fällt humorvoller als sein Vorgänger aus; die Beziehung zwischen dem menschlichen Protagonisten Eddie Brock und dem Alien-Parasiten Venom, der in Eddies Körper haust, lässt sich als Science-Fiction-Variante von "Ein seltsames Paar" (1968) mit den Streithähnen Walter Matthau und Jack Lemmon bezeichnen.

Wenn sich das Drehbuch von Kelly Marcel auf diese ungewöhnliche Beziehung konzentriert, gewinnt "Venom: Let There Be Carnage" tatsächlich einen ganz eigenen Charme – nicht zuletzt weil Tom Hardy sichtlichen Spaß an der Darstellung der absurden Zankereien hat. Auch Michelle Williams wird als Eddies Ex-Verlobte Anne deutlich besser als im ersten Teil in die Interaktionen zwischen dem menschlichen Wirt und seinem Symbionten einbezogen – wenngleich das Talent der vierfach Oscar-nominierten Schauspielerin nach wie vor vergeudet wirkt. Woody Harrelson und Naomie Harris haben als schurkisches Paar mehr Raum zur Entfaltung; die weiteren Figuren bleiben blass.

Als überdrehte Popcorn-Unterhaltung erfüllt "Venom: Let There Be Carnage" durch seine bizarren Einfälle durchaus seinen Zweck – zumal die Effekte weitgehend gelungen sind und es in der vergleichsweise kurzen Laufzeit von 97 Minuten keine Längen gibt. Eine ausgereifte Mischung vermag der Film aber nicht zu liefern: Er ist weder so wild wie die "Deadpool"-Abenteuer mit Ryan Reynolds als Anti-Held im Splatter-Modus, noch ist er auf dramaturgischer und audiovisueller Ebene so verspielt wie die "Guardians of the Galaxy"-Filme. Auch ein überzeugendes Streben nach Tiefe lässt sich – trotz einer tragischen Backstory für den Bösewicht – nicht ausmachen. So bleibt eher ein kurzweiliges, seltsam interessantes Stückwerk, kein stimmiges Ganzes.

Fazit: Ein kruder Mix aus Bromantic Comedy und Sci-Fi-Action. Keine wirklich runde Sache, doch leidlich unterhaltsam und gut gespielt.




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