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Kritik: World Taxi (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Für seinen Dokumentarfilm "World Taxi" hat der 1982 geborene Philipp Majer nicht nur Drehbuch und Regie, sondern auch Produktion, Kameraführung und Montage übernommen. Er widmet sich in seinem Werk fünf Menschen aus fünf verschiedenen Städten, deren Gemeinsamkeit die berufliche Tätigkeit ist: Sie sind in Taxis auf den Straßen unterwegs, um ihre Gäste von A nach B zu bringen. Wie der US-Indie-Filmemacher Jim Jarmusch in "Night on Earth" (1991) zeigt Majer kurze Begegnungen zwischen Fremden, während das Taxameter läuft; er setzt dabei aber nicht auf pointierte erdachte Geschichten, sondern auf Einblicke in Lebensrealitäten. So entstehen interessante Beobachtungen aus fünf unterschiedlichen Teilen der Welt.

Wir erleben etwa mit, wie die Berlinerin Bambi La Furiosa – der ihr Job, wie sie sagt, "im Blut" liegt – erschöpfte Berghain-Begeisterte chauffiert, über Musik diskutiert und ein eindeutiges Angebot von einem lesbischen Paar erhält. Destan Mjekiqi aus Priština im Kosovo beklagt sich derweil über die Korruption in seiner Heimat – und Tony Kumsomsri spricht über die Armut in Thailand, die viele Menschen dazu bringt, der Prostitution nachzugehen. "World Taxi" vermittelt uns einerseits einen Eindruck von politischen und gesellschaftlichen Sujets und ist andererseits nah an den fünf Personen, die wir zuweilen auch außerhalb ihrer Dienstwagen in privaten Situationen sehen.

In Kombination mit dem gelungenen Score von Tobias Göbel und den einnehmenden urbanen Bildern, in denen das Geschehen gelegentlich in Zeitlupe erfasst wird, entsteht ein facettenreicher Film über das Leben in großen Städten.

Fazit: Ein ansprechend gefilmter dokumentarischer Blick auf fünf Städte dieser Welt und auf diverse Begegnungen in Taxis.




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