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Made in Italy
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© Leonine Distribution

Kritik: Made in Italy (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Das Regiedebüt des britischen Schauspielers James D‘Arcy entpuppt sich als sonnendurchflutete Wohlfühl-Dramödie. Die herrlichen toskanischen Landschaftsaufnahmen sorgen im Handumdrehen für gute Laune und ein entspanntes Urlaubsgefühl. Die Idee, ein verkrachtes englisches Vater-Sohn-Gespann in diese Landschaft zu versetzen und mit der Renovierung ihres alten Hauses zu beschäftigen, schafft eine reizvolle Ausgangslage. Denn so knüpfen die beiden eigensinnigen Männer wieder an die gemeinsame Vergangenheit an, deren Glück früh mit dem Unfalltod der Ehefrau und Mutter endete. Zugleich erfahren sie, dass der Ort auch neue Freuden zu bieten hat.

Zwischen Realität und Fiktion tun sich interessante Parallelen auf, denn Liam Neeson und Micheál Richardson spielen nicht nur Vater und Sohn, sie sind es auch im wirklichen Leben. Und wenn im Film Robert immer noch um seine Frau trauert und Sohn Jack die Mutter vermisst, so wissen Neeson und Richardson selbst, wie sich das anfühlt. 2009 starb Neesons Frau Natasha Richardson, Micheáls Mutter, nach einem Skiunfall.

Liam Neeson spielt sehr glaubhaft, wie sein Charakter zwischen innerem Aufruhr und unbeholfener Zuneigung zu seinem Sohn schwankt. Dabei interpretiert er Robert mit sanfter Ironie auch ein wenig als wild und verwahrlost. Am Ende hat der Charakter noch eine Enthüllung zu bieten, die seine Not besser erklärt. Obwohl es um Trauer- und Erinnerungsarbeit geht, ist die Geschichte jedoch erstaunlich leichtfüßig erzählt.

Schon auf der Fahrt nach Italien tauschen Jack und Robert beim Versuch, Konversation zu machen, Sticheleien aus. Im Haus gäbe es Gelegenheit, sich weiter auf die Nerven zu gehen, aber es muss ja auch kooperiert werden. Die bange Frage, wie man ein Wiesel befreit, ohne gebissen zu werden, das etwas verpeilte Auftreten des Vaters gegenüber der Maklerin schaffen lustige Momente. Die Maklerin Kate und die Trattoria-Betreiberin Natalia wirken als begleitende weibliche Rollen nicht nur pflichtschuldig ins Drehbuch eingefügt, sondern durchaus bereichernd.

Die betörende Landschaft mit den Hügeln, kleinen Ortschaften, Weinbergen, Zypressen und Mohnblumen, das alte Haus mit seinen Schätzen laden als sinnliche Schauplätze zum Schwelgen ein. Die Geschichte tänzelt unbekümmert dahin, oft ohne sich länger in die einzelnen Motive zu vertiefen. Dabei verströmt sie sympathischen Charme.

Fazit: Das leichtfüßige Spielfilmdebüt des Regisseurs James D‘Arcy verbreitet Wohlgefühl unter toskanischer Sonne. Der entwaffnenden Schönheit der italienischen Landschaft können sich auch ein verkrachter britischer Witwer und sein entfremdeter Sohn nicht entziehen, während sie ein Familienanwesen renovieren, um es zu verkaufen. Dabei vertiefen sie sich in Erinnerung an Glück und Tragik, die mit dem Platz verbunden sind und proben unbeholfenen Dialog. Liam Neeson und sein Sohn Micheál Richardson spielen die Hauptrollen mit Gespür für ihre Einsamkeit und das Gewicht ungesagter Dinge, aber auch mit Sinn für Humor.




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