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Eine Private Angelegenheit
Eine Private Angelegenheit
© Kairos Film

Kritik: Eine Private Angelegenheit (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Für diese originelle Mischung aus Melodram und historischem Kriegsgeschehen schrieben die schon seit den 1960er Jahren renommierten Autorenfilmer Paolo und Vittorio Taviani ("Padre Padrone") ein letztes Mal gemeinsam das Drehbuch. Die Regie musste Paolo Taviani jedoch nach einem Unfall seines Bruders Vittorio, der 2018 schließlich auch verstarb, allein führen. Auf dem gleichnamigen, 1963 erschienenen Roman von Beppe Fenoglio basierend, erinnert der Film lebhaft und authentisch an die zahllosen Helden des italienischen Partisanenkampfs während des Zweiten Weltkriegs.

Der ehemalige Student Milton – diesen Namen verdankt er seiner Englischlehrerin – wirkt abwesend und in sich versunken. Man gewährt ihm eine kurze Auszeit, damit er mit seinem Studienfreund Giorgio klären kann, wie sie beide zu Fulvia stehen. In den Rückblenden, die Miltons Erinnerungen folgen, sind die drei jungen Leute oft unbeschwert zusammen. Giorgio tanzt mit ihr und sie wünscht sich vom schüchternen, intellektuell wirkenden Milton Briefe. Wie in einem altmodischen Melodram – Judy Garland singt sogar "Somewhere over the Rainbow" - klammert sich der hervorragend gespielte Milton an die im Gedächtnis abgespeicherte, nun aber so entrückt und sogar trügerisch wirkende Romanze.

Der Nebel, der die Hügel verhüllt, steht für Orientierungslosigkeit und Trübsal. Die Faschisten patrouillieren durch die Dörfer, erschießen Bauern. Manchem raubt dieser grausame Krieg, in dem sich viele Partisanen als ehemalige Nachbarn kennen, den Verstand. Eine eindringliche Szene gilt einem faschistischen Gefangenen, der besessen in der Luft Schlagzeug spielt und mit dem Mund die Laute formt, die wie Gewehrsalven klingen.

Der Nebel symbolisiert die Gefahr, auch den inneren Kompass zu verlieren. Milton kämpft gegen einen möglichen Irrtum des Herzens. Zugleich will er das Leben seines besten Freundes, der auch sein Rivale ist, retten. Diese Zerreißprobe schildert der Film sehr spannend und bewegend als persönliche Odyssee inmitten des Krieges. Die Wehmut des Melodrams geht mit inszenatorischer Eleganz einher, um an alte Hollywoodfilme zu erinnern und an die heute im Kino oft vernachlässigte Kraft der großen Gefühle.

Fazit: Der 2018 verstorbene Vittorio Taviani und sein Bruder Paolo haben das Drehbuch zu diesem Melodram, das zugleich Kriegsfilm ist, noch gemeinsam geschrieben. Regie musste der betagte Paolo Taviani allein führen. Die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Beppe Fenoglio aus dem Jahr 1963 würdigt mit lebendiger Authentizität die Partisanenkämpfe während des Zweiten Weltkriegs, an denen Bauern neben Studenten teilnahmen. Der junge Held droht sich im Nebel der Piemonteser Berge aber vor allem innerlich zu verlieren, in den Rätseln einer ergreifenden romantischen Dreiecksgeschichte, an deren Erinnerung er sich verzweifelt klammert.




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