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The Outpost
The Outpost
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Kritik: The Outpost - Überleben ist alles (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Wieder ein Kriegsfilm? Das hat man doch schon hunderte Male gesehen", mag man angesichts des allzu bekannt klingenden Plots denken. Und tatsächlich, "The Outpost" ist beileibe nicht der erste Film, der sich dem Thema widmet, aber doch einer der ersten, der seinen Fokus auf den Afghanistan-Krieg legt. Und einer von nicht allzu vielen, der durch seinen innovativen und erfrischenden Zugang beinahe auf ganzer Linie überzeugen kann: Zuallererst liegt das am vibrierenden und nervösen Realismus, mit dem Regisseur Rod Lurie die Stimmung vor Ort, die Interaktion unter den Soldaten und nicht zuletzt das beinahe 45-minütige, finale Gefecht einfängt.

Hinzu kommt eine technische Virtuosität, die nicht wie etwa in "1917" zum Gimmick oder Mittel zum Zweck verkommt, sondern immer der Dramaturgie dient und ein Gefühl von direkter Intimität vermittelt, auch, weil die (Hand-)Kamera immer ganz nah am Geschehen ist, jedoch ohne dabei allzu videospielartig zu wirken.
Neben der herausragenden Inszenierung und den technischen Aspekten ist "The Outpost" auch ein glaubwürdiges Porträt des tristen und trostlosen Soldatenlebens geworden, das schließlich auch die Sinnlosigkeit von Krieg spürbar macht, der stets ein Schlachtfeld hinterlässt, physisch vor Ort und psychisch in den Soldaten, deren Seelenleben vom Grauen des Krieges erschüttert wird. Lurie hütet sich vor plumpem Pathos und banaler Glorifizierung und setzt so den (gefallenen) US-Soldaten ein umso eindrücklicheres Denkmal. Dass er auch echte Kämpfer, die die Schlacht um Keating miterlebt hatten, mit in den Cast nahm, trägt natürlich weiter zur Authentizität des Films bei.

Funktionieren kann all das aber nur, weil der Regisseur auf einen großartigen Cast zurückgreifen kann, der den Figuren Leben einhaucht: Hervorzuheben sind hier "Legolas" Orlando Bloom in einer äußerst ungewöhnlichen Rolle, Caleb Landry Jones als "sensibler" Ty, der am meisten mit seinen Emotionen und seinen seelischen Wunden zu kämpfen hat, und allen voran Scott Eastwood, der nicht nur seinem berühtem Vater Clint geradezu beängstigend ähnlich sieht (man achte auf auf die Mimik!), sondern als stoischer "Held alter Schule" auch deutliche Anleihen an den Paraderollen der Hollywood- und Italowestern-Ikone nimmt.

Fazit: Eine positive Überraschung des Corona-bedingt an Höhepunkten armen Kinojahres: Ein erstklassig inszenierter und gespielter Antikriegsfilm, der die Gräuel realitätsnah und nicht zuletzt auch emotional schlüssig vermitteln kann. Sehenswert.




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