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Lord & Schlumpfi - Der lange Weg nach Wacken
Lord & Schlumpfi - Der lange Weg nach Wacken
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Kritik: Lord & Schlumpfi - Der lange Weg nach Wacken (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Ursprünglich hatte der Comedy-Autor und Musiker Tobias Öller die Figuren Lord und Schlumpfi für ein Bühnenkabarett konzipiert. 2016 erschien dann die erste Episode "Lord & Schlumpfi" als Video im Internet. Die Fangemeinde wuchs, auf die erste, sechsteilige Staffel der Webserie nach Öllers Drehbuch folgt nun eine zweite mit ebenfalls sechs Episoden. Die von Sabine Schreiber inszenierten zwölf Folgen, bei denen Peter Rixner als Kameramann, Cutter und Postproduzent fungiert, kommen nun als witzig-schräger Kinofilm heraus.

Die Unterteilung in Episoden wurde beibehalten, aber in der Aneinanderreihung kommt die Geschichte als zusammenhängendes Abenteuer besser zu Geltung. Der Kinofilm verteilt satirische Seitenhiebe auf heimattümelnde Musik, auf das Showbusiness und die vielen Versuchungen, die dazu führen, dass aufstrebende Künstler ihre Seele oder Ideale verlieren.

Der von Öller gespielte Lord pflegt das Image eines harten Metalrockers, der nie lacht oder scherzt. Wenn Schlumpfi, von Andi Rinn als naiver, gutmütiger Junge vom Lande gespielt, arglos daherredet, sagt Lord nur: "Schnauze, Schlumpfi!" Lords Blick aus aufgerissenen Augen wirkt oft ausgesprochen komödiantisch. Er könnte Empörung und Drohung bedeuten, aber auch Ausdruck von Rat- und Fassungslosigkeit sein. Kaum bekommt es das Duo mit der Musik-Agentur zu tun, die zum Casting lädt, gibt es auch Anlass zur Verwunderung. Bald haben die neuen Vertragspartner Lord so weit, dass er ein Lied für die wachsende Zahl der Gemüseliebhaber singt: "I bin der böse Brokkoli – der Antichrist vom Gmüasregal". Aber führt dieser Weg tatsächlich nach Wacken?

Das Duo wird von zahlreichen interessanten Nebenfiguren flankiert, vom urig-sündigen Pfarrer (Boris Schumm) bis zur Sängerin Mellie (Carmen Jahrstorfer), deren Karriere ebenfalls auf sich warten lässt. Eine köstliche Szene persifliert den Film "Der Exorzist" und beweist, dass Lord und Schlumpfi ungeahnte Qualitäten der Teufelsaustreibung besitzen.

Der gut verteilte Dialogwitz sorgt immer wieder dafür, dass auch gewisse Längen einzelner Episoden nicht allzu störend auffallen. Was ein wenig zu kurz kommt, ist die Musik selbst: Die Band hätte ruhig mehr vor der Kamera üben dürfen, statt so sehr auf die Hilfe des Teufels zu warten.

Fazit: Die Abenteuer von Lord und Schlumpfi, die es mit ihrer Fusion aus bayerischer Volksmusik und Metalrock auf das Musikfestival Wacken schaffen wollen, sind bislang als sechsteilige Webserie bekannt. Diese ergibt gemeinsam mit der Premiere der zweiten Staffel einen Kinofilm, der als ideenreiche Satire über musikalischen Ehrgeiz, Kommerz und die Versuchung eines faustischen Paktes unterhält. Der Drehbuchautor Tobias Öller lässt die von ihm gespielte Figur des finsteren Metal-Sängers Lord komödiantisch wirksam mit dem harmlos-naiven Musikanten Schlumpfi kontrastieren. Eine Schar markanter Nebenfiguren verstärkt den charmanten Gesamteindruck.




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