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Kritik: I Am Greta (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

In seinem Dokumentarfilm "I Am Greta" befasst sich der schwedische Regisseur und Fotograf Nathan Grossman mit der 2003 in Stockholm geborenen Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg. Er zeigt Thunbergs öffentliche Auftritte, etwa bei Klimakonferenzen und -protesten, gibt jedoch auch private Einblicke. Zu den Besonderheiten des Werks, das bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig 2020 seine Premiere feierte, zählt der frühe Zeitpunkt, zu dem die Begleitung mit der Kamera anfängt: So ist Grossman bereits an den Tagen im August 2018 dabei, als sich die damals 15-Jährige allein mit einem Schild auf den Bürgersteig vor das schwedische Parlament setzte.

Der Film fängt ein, wie jener "Schulstreik fürs Klima" zu einer globalen Jugendbewegung führte, wie Thunberg junge Menschen auf der ganzen Welt zu inspirieren vermag – schildert aber auch Thunbergs Willen, dass es in erster Linie nicht um sie selbst, sondern um den Klimawandel und dessen Konsequenzen gehen soll. In einigen Momenten wird deutlich, wie Thunberg feststellen muss, dass ihre Reden zwar viel Beachtung finden, aber vonseiten der Politik kein Handeln nach sich ziehen. Zu den eindrücklichsten Passagen gehört gewiss die Fahrt über den Atlantik in einem Segelschiff zum UN-Klimagipfel in New York City. Hier wird auch spürbar, dass Thunberg von der Verantwortung und von den plötzlichen Veränderungen in ihrem Leben, mit denen sie konfrontiert wird, zuweilen überwältigt ist – nicht zuletzt deshalb, weil sie aufgrund ihres Asperger-Syndroms Routinen bevorzugt. Erkennen lässt sich zudem, welche hohen Ansprüche Thunberg an sich selbst stellt.

In den privaten Augenblicken, die Thunberg mit ihren Eltern und ihren Hunden teilt, sehen wir die Jugendliche auch mal in ausgelassenerer Stimmung. Via voice-over sind ihre Gedanken zu hören. Grossman nimmt sich dabei stets zurück; er stellt Thunberg und deren Familie keine Fragen, sondern beobachtet sie.

Fazit: Ein dokumentarischer Blick auf die schwedische Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg, der die Anfänge des Protests bis zur Atlantiküberquerung zum UN-Klimagipfel 2019 erfasst und sich dabei ganz auf seine Protagonistin konzentriert.




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