oder
Die Wand der Schatten
Die Wand der Schatten
© Rise and Shine Films GmbH

Kritik: Die Wand der Schatten (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Zu Beginn tut man sich etwas schwer, "Die Wand der Schatten" einzuordnen: Die ersten Aufnahmen von der Sherpa-Familie sollen das Setting etablieren und uns die handelnden Personen näher bringen, wirken allesamt aber etwas inszeniert und wenig "dokumentarisch" im Sinne von "rein beobachtend". Spätestens mit der Ankunft der 3 Bergsteiger wird aber klar, dass das hier ein Dokumentarfilm ist, der "nicht vom Bergsteigen, sondern von Menschen handelt", wie einer der 3 Männer einmal treffend bemerkt. Interessant an der Interaktion zwischen ihnen und den Ortsansässigen ist auch, wie selbstverständlich die Männer die lokalen Sherpas "von oben herab" und als deren Bedienstete betrachten und behandeln, obwohl sie ohne deren Hilfe keinen Berg der Welt erklimmen könnten.

Der Film handelt in erster Linie tatsächlich von "Menschen", die der Faszination Alpinismus ausgeliefert sind, sei es aus persönlichen Motiven und Wettkampfeifer oder aus finanziellen Gründen. Demensprechend unterschiedlich ist der Umgang und die Herangehensweise: Spielt bei den einen eine gewisse Selbstüberschätzung eine Rolle und ist der Kampf gegen den Berg hier in erster Linie ein Kampf gegen sich selbst und die Natur, haben im anderen Fall (der Sherpa-Familie) derartige Überlegungen wenig Raum. Für sie ist es in erster Linie ein Job "wie jeden anderen", der das eigene Überleben und das der Familie sichern soll.

Trotz Fokus auf die menschlichen Akteure gelingt es Regisseurin Eliza Kubarska, selbst erfolgreiche Alpinistin, auch hervorragend, die Magie einzufangen, die von großen Bergen ausgeht, die Macht, die sie ausstrahlen und einen in Ehrfurcht erzittern lassen - gerade auch als Zuschauer, der mit der Materie an sich wenig vertraut ist. Es sind faszinierende Aufnahmen, gerade jene Szenen von 2 der 3 Bersteiger, die sich schließlich doch alleine und auf eigene Faust auf den Weg machen, die bisher unbezwungene Ostwand zu besteigen. Es sind Bilder vom archaischen Kampf "Mensch gegen Natur" und vom Versuch des ersten, zweitere zu besiegen - mit offenem Ausgang.

Fazit: Ein gelungener und faszinierender Film über die Magie des Alpinismus und die Macht der Natur - und Menschen, die sich aus unterschiedlichen Motiven dem aussetzen. "Die Wand der Schatten" ist aber durchaus auch aus ethnologischer Sicht interessant, da er das Volk der Sherpas, uns sonst nur als Synonym für "Bergführer" bekannt, in den Mittelpunkt stellt und das Leben und den Alltag in den Hochgebirgen Nepals porträtiert.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.