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Fatman
Fatman
© Splendid Film © 24 Bilder

Kritik: Fatman (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Weihnachtsfilme gibt es wie Nadeln am Tannenbaum. Aufwendige Studioproduktionen mit großen Namen werden zwar seltener, dafür schnüren die Streaming-Plattformen jedes Jahr unzählige Päckchen mit Durchschnittsware. Wer im Advent Weihnachtsfilme sehen will, findet beim Anbieter seines Vertrauens jeden Tag ein Türchen, hinter dem sich eine kostengünstige Produktion voller Nonames verbirgt. "Fatman" ist nicht nur eine willkommene Abwechslung zu all dem feierlichen und zuckersüßen Einerlei, dieser etwas andere Weihnachtsfilm wartet auch mit bekannten Gesichtern auf. Ursprünglich sollte die Actionkomödie mit Mel Gibson, Walton Goggins und Marianne Jean-Baptiste in die Kinos kommen. Wegen des grassierenden Coronavirus ist sie stattdessen direkt als Video-on-Demand zu haben und bietet auf der Wohnzimmercouch beste Unterhaltung.

Auf den Regiestühlen haben Eshom und Ian Nelms Platz genommen. Dass die Brüder komisch sein können, haben sie in "Waffle Street" (2015) bewiesen. Spannend und kriminell ging es hingegen in ihrem Thriller "Small Town Crime" (2017) zu. Herz hatten beide Filme. In ihrem neuen Streifen mischen sie munter die Genres. Herausgekommen ist etwas sehr Eigenes, das sich von schrägen Familienkomödien wie "Santa Clause – Eine schöne Bescherung" (1994) oder "Buddy, der Weihnachtself" (2003) ebenso wohltuend abhebt wie von derben Späßen à la "Bad Santa" (2003) oder feinstem Trash wie "Santa's Slay – Blutige Weihnachten" (2005).

In unserer beschleunigten Welt, in der Menschen die Kinosäle vorschnell verlassen, wenn ihre immer kürzer werdenden Aufmerksamkeitsspannen nicht umgehend mit Höhepunkten belohnt werden, in dieser Welt wirkt "Fatman" im besten Sinne altmodisch. Die Nelms-Brüder nehmen sich in ihrem Drehbuch Zeit, die Hauptfiguren in aller Ausführlichkeit ein- und die drei Handlungsstränge gekonnt zusammenzuführen. Dabei deuten sie vieles nur an, bauen Spannung auf und unterlaufen bis zum furiosen Finale ein ums andere Mal die Erwartungen des Publikums. Das geschieht oft simpel, aber effektiv, indem sie aus anderen Filmen gewohnte Szenen ungewohnt auflösen oder mit immer neuen Einfällen um die Ecke kommen. Etwa dem, wie die kleinen Helferlein des Titelhelden ihr hohes Arbeitspensum bewältigen. Köstlich!

"Fatman" punktet aber auch in anderen Bereichen. Der Film ist wunderbar besetzt. Mel Gibson und Marianne Jean-Baptiste geben ein tolles, liebevolles, seit Ewigkeiten eingespieltes Ehepaar ab. Und als kleine und große Bösewichte hätte das Regieduo gar keine besseren Darsteller als den maliziös dreinblickenden Chance Hurstfield und den spielerisch zwischen Kaltblütigkeit und Komik wechselnden Walton Goggins finden können. Das wohl größte Verdienst der Brüder ist aber, dass sie ihren Film nie überdrehen. So fantastisch manches darin anmutet, insgesamt bleibt diese Actionkomödie geerdet.

Fazit: Wer "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" und "Tatsächlich... Liebe" nicht mehr sehen kann und etwas Abwechslung vom Advents-Einerlei möchte, ist hier genau richtig. Aber Vorsicht! Eshom und Ian Nelms "Fatman" ist kein Trash, auch wenn sich die Prämisse so anhört. Stattdessen bietet das Bruderpaar eine im besten Sinne altmodische Actionkomödie. Ein gut geschriebener, gespielter und inszenierter, langsam erzählter Weihnachtsfilm voll schräger Figuren und origineller Einfälle.




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