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Der Spion
Der Spion
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Kritik: Der Spion (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Dieser hoch spannende Spionagethriller aus der Zeit der Kubakrise von 1962 basiert auf wahren Ereignissen. Oberst Oleg Penkowski gilt, wie eine Texteinblendung am Ende des Films verrät, als die wertvollste sowjetische Geheimdienstquelle, die der Westen je hatte. Mit Hilfe seines britischen Kuriers Greville Wynne übergab er London über 5000 geheime Militärdokumente. Man kann davon ausgehen, dass sie maßgeblich dazu beitrugen, die damals sehr reale Gefahr eines Atomkriegs der Supermächte abzuwenden. Unter der Regie des Briten Dominic Cooke ("Am Strand") taucht der Film tief in die krisenhafte Stimmung jener Ära ein, in der zwei Männer für den Frieden ihr Leben riskieren. Das Band, das sie zusammenschmiedet, geht weit über ihren Job hinaus: Freunde, belehrt Greville seine coolen westlichen Agentenchefs, lassen sich in der Gefahr der Enttarnung nicht einfach im Stich!

Da viele Dokumente über diesen Fall noch immer unter Verschluss sind, konstruierte der Drehbuchautor Tom O‘Connor eine Geschichte, die nicht nur aus dramaturgischen Gründen fiktionale Elemente enthält. Aber es gelingt Drehbuch und Regie, den Amateurspion Greville, seine Nöte, seine Motive und seine Freundschaft zu Oleg emotional glaubwürdig und fesselnd zu schildern. Benedict Cumberbatch spielt Greville als Mann, der aus Pflichtgefühl in Gefilde gerät, die seine Fähigkeiten übersteigen. Die beklemmende Erfahrung, dass der KGB in Moskau fast überall Augen und Ohren hat, schmiedet ihn mit seinem Kollegen und Leidensgenossen Oleg zusammen.

Die Epoche mit ihrer Kriegsgefahr bekommt auch optisch durch ein reduziertes Farbenspektrum eine Rauheit, die sehr authentisch wirkt. Die Architektur jener Jahre kommt gut zur Geltung, der Schauplatz Moskau strahlt furchteinflößende Strenge aus. Wo immer Greville und Oleg hastig ein paar Worte wechseln können – in einer Unterführung, auf einer Treppe -, bleibt das meiste ungesagt. Der Film aber findet hervorragende Szenen, um ihre Verbindung, ihr geteiltes Drama zu schildern. So sitzen beide am Vorabend der letzten, alles entscheidenden Aktion reglos in höchster Anspannung unter den Augen der Sowjetmacht im Theater. Erst als das Ballett "Schwanensee" endet, bricht sich ihr Aufruhr in einem erlaubten Moment Bahn, in Grevilles Tränen, in Olegs Jubelrufen.

Fazit: Der fesselnde Spionagethriller von Regisseur Dominic Cooke taucht tief in die grimmige Atmosphäre des Kalten Krieges zu Anfang der 1960er Jahre ein. Den sowjetischen Agenten Oleg Penkowski und den britischen Geschäftsmann Greville Wynne, die mit in den Westen geschmuggelten Militärdokumenten Einfluss auf den Verlauf der Kubakrise nehmen, hat es wirklich gegeben. Benedict Cumberbatch spielt den Amateurspion Wynne hervorragend in seiner inneren Zerrissenheit zwischen Angst und Pflichtgefühl. Die außergewöhnliche Freundschaft der beiden Männer ist der innere Motor, der diese stilvoll mit Augenmerk für die Epoche inszenierte Geschichte bewegt.




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