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Kritik: Los Reyes - Königliche Streuner (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Bettina Perut und Iván Osnovikoff arbeiten seit dem Beginn des neuen Jahrtausends zusammen. Dabei ist eins garantiert: Die Dokumentarfilme des Duos, die formal oft kreative Wege gehen und die Sehgewohnheiten herausfordern, sind ein Ereignis. Das ist auch bei ihrem jüngsten Werk der Fall. Der außergewöhnliche Weg, den Perut und Osnovikoff diesmal eingeschlagen haben, ist aus der Not geboren.

Am Anfang ihres jüngsten Dokumentarfilms stand der Zufall. Perut schenkte Osnovikoff zum Geburtstag ein Skateboard, mit dem der Filmemacher in Santiago de Chiles ältestem Skatepark "Los Reyes" ("Die Könige") ging. Zu diesem Zeitpunkt war der 1966 geborene Osnovikoff 25 Jahre lang nicht mehr auf einem Skateboard gestanden. Im Park kam er mit jungen Skatern ins Gespräch und hatte die Idee zu einem Film über Chiles junge Generation und deren Perspektiven. Doch dann kam alles anders. Weil die Jugendlichen und jungen Erwachsenen sich vor der Kamera nicht natürlich verhielten – sich entweder zurückhielten oder verstellten –, verschoben Perut und Osnovikoff den Fokus von den Menschen auf zwei Tiere.

Peruts und Osnovikoffs Film heißt wie der Skatepark schlicht "Los Reyes". Der Titel ist freilich mehrdeutig. Er bezeichnet nicht nur den Park, sondern auch die Hunde Futbol und Chola, die dort wie zwei Könige residieren. Und nicht zuletzt kann der Filmtitel als Bezeichnung für all die jungen und perspektivlosen Skater begriffen werden, die in der Doku nur am Rande und größtenteils nur auf der Tonspur vorkommen. Während sich die Kamera voll und ganz auf Futbol und Chola konzentriert und dabei gleichermaßen schöne wie faszinierende Bilder einfängt, schneidet sie Gespräche mit, in denen die Skater nun völlig unbefangen aus ihrem Leben erzählen. Viele unter ihnen wissen deshalb nichts mit ihrem Leben anzufangen, weil sie von ihren Eltern wie kleine Könige behandelt werden.

Die Verschiebung des Fokus hin zu den Hunden ist ein gelungener Kniff. Nicht nur, weil es dem Regieduo dadurch gelungen ist, den Skatern, die sich dadurch unbeobachtet fühlen, Wahrheiten zu entlocken, sondern vor allem, weil Futbol und Chola schlicht und einfach zwei beeindruckende Tiere voller Neugier, Spieltrieb und Sozialverhalten sind. Die Faszination für die Tiere trägt jedoch nicht den gesamten Film. Trotz einer kurzen Spieldauer von nur 75 Minuten ist "Los Reyes" deutlich zu lang. Die durchaus spannende Form, in der Perut und Osnovikoff ihren Film aufziehen, hätte sich besser für eine mittellange Doku geeignet.

Fazit: In ihrem achten gemeinsamen Dokumentarfilm begleiten Bettina Perut und Iván Osnovikoff zwei streunende Hunde, die Santiago de Chiles ältesten Skatepark bewohnen. Dabei entsteht ein wunderschön fotografiertes und beeindruckendes Porträt zweier faszinierender Tiere. Die Gespräche der jungen Skater bilden das Hintergrundrauschen, das einen Einblick in die Träume und Sorgen der jungen chilenischen Generation gewährt. So spannend diese Form ist, am Ende ist der Film deutlich zu lang.




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