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Kritik: Uta (2021)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Uta ist keine Unbekannte. Wer Mario Schneiders Dokumentarfilm "Akt" (2015) gesehen hat, der ist dieser imposanten Frau bereits im Kino begegnet. Uta war eines der vier Aktmodelle, die Schneider in seinem Film vorstellte. Schon damals hinterließ sie beim Publikum den bleibendsten Eindruck. Jetzt hat der Regisseur ihr einen eigenen Film gewidmet.

Inzwischen ist Uta ein wenig älter, aber kein bisschen ruhiger. Während sich der Film ihrem 70. Geburtstag nähert, erzählt sie dem Regisseur und dem Publikum unaufgeregt und reflektiert aus ihrem Leben, einem Leben, das wohl die wenigsten so lange ausgehalten hätten. Ihre Sätze sind so druckreif wie ihre Stimme kraftvoll ist, wenn sie in der Leipziger Fußgängerzone mit ihrem Akkordeon steht, sich die Fingerkuppen abfriert und Arbeiterlieder schmettert.

Schon in "Akt" näherte sich Friede Clausz' Kamera den Figuren behutsam und nahezu schwebend. Diesmal schaltet sie von Farbe auf schwarz-weiß um, was dem Porträt gepaart mit der ruhigen Musik einen künstlerischen Anstrich verleiht, der aber nie gekünstelt wirkt. Oft sieht die Kamera einfach nur zu und lässt den Menschen davor genügend Raum, sich in intensiven Gesprächen zu entfalten.

"Uta" ist das Porträt einer Lebenskünstlerin, von der das Publikum die Kunst zu leben lernen kann – auch mit wenig und allen Widrigkeiten zum Trotz. Es ist beeindruckend, wie positiv diese Frau durchs Leben geht. Am Ende kommt es auf die Einstellung an. Für Uta ist ihr Leben nicht arm, sondern reich an Beziehungen und Erfahrungen. "Ich habe das Gefühl, wir leben in einer besonderen Form von Luxus", sagt sie und hat recht damit.

Fazit: Mario Schneider hat einen kunstvollen Dokumentarfilm über eine Leipziger Straßenmusikerin und Lebenskünstlerin gedreht. Es ist ein beeindruckendes Porträt einer beeindruckenden Frau, von der das Publikum jede Menge lernen kann.




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