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So weit - Ein Fahrrad, eine Gitarre und 1400 KM Neuanfang
So weit - Ein Fahrrad, eine Gitarre und 1400 KM Neuanfang
© Nordpolaris

Kritik: So weit - Ein Fahrrad, eine Gitarre und 1400 KM Neuanfang (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

In seinem Dokumentarfilm "So weit – Ein Fahrrad, eine Gitarre und 1400 km Neuanfang" fängt der 1992 geborene Singer-Songwriter Till Seifert seine im Sommer 2020 unternommene Rennrad- und Konzert-Tour ein, die ihn von Flensburg nach Garmisch-Partenkirchen führt und in einer abschließenden Besteigung der Zugspitze gipfelt. Begleitet von seinem Kumpel Nick in einem Wohnmobil, radelt Seifert durch mal sonnige, mal verregnete Landschaften, um an 14 Orten auf seiner Strecke Songs zu performen – teilweise vor Live-Publikum auf Open-Air-Bühnen, teilweise via Live-Stream auf Onlinediensten wie Instagram.

Werke wie "So weit", die in Eigenregie eine Reise dokumentieren, können rasch eine selbstverliebte Anmutung bekommen. Seiferts Film ist allerdings sehr sympathisch. Das liegt zum einen daran, dass sich Seifert selbst nie zum Helden stilisiert. Er begibt sich vergleichsweise untrainiert auf die Radtour und wirkt stets so, als könne er sich und seine Lage gut einschätzen: Wenn die Wetterbedingungen es absolut nicht zulassen, setzt er seine Pläne nicht verbissen durch, sondern sucht nach Alternativen – sodass es auch mal zu einem spontanen Wohnmobilkonzert kommt. Zum anderen gibt Seifert auch immer den Menschen Raum, die ihn bei seinem Vorhaben unterstützen – neben seinem Begleiter Nick etwa einem hilfsbereiten Barbesitzer. Dadurch wird "So weit" nie zu einem narzisstischen Projekt. Angenehm ehrlich ist zudem, dass Seifert als Regisseur und Cutter die Momente der schlechten Laune, die wohl bei jeder Reise zwangsläufig dazugehören, nicht ausspart – ebenso wie kleine Pannen.

Auch audiovisuell ist der Film gelungen. Seifert baut die eigene Musik stimmig ein, ergänzt um weitere Nummern, etwa den schönen Song "Reminds Me of You" von Valentina Mér. Per Flugdrohne werden die Landschaften erfasst. An einigen Stellen kommen noch kurze, oft amüsante Animationssequenzen hinzu.

Fazit: Ein sympathischer und musikalisch einnehmender Trip auf dem Rennrad, der tolle Bilder zu bieten hat.




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