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Lügen haben kurze Beine
Lügen haben kurze Beine
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Kritik: Lügen haben kurze Beine (2021)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der Nachwuchskicker Théo (Maleaume Paquin) bewundert Fußballstars wie Lionel Messi oder Antoine Griezmann, weil sie wie er ein paar Köpfe kleiner als ihre Konkurrenten sind und diese trotzdem locker an die Wand spielen. Mit Messi teilt Théo eine weitere Gemeinsamkeit. Der Argentinier bekam in seiner Kindheit den Spitznamen "la Pulga", "der Floh" verpasst. Théos beste Freundin nennt ihn "Fourmi", "Ameise". Dass auch kleine Leute Großes leisten und kleine Lügen große Konsequenzen haben können, darum geht es in Julien Rappeneaus Kinderfilm.

"Fourmi", so der Originaltitel, ist Rappeneaus zweite Regiearbeit und nicht die erste Comicvorlage, die er bearbeitet. Als Drehbuchautor hat er bereits die Comics "Largo Winch" und "Rosalie Blum" adaptiert. Und eine weitere Verfilmung der Comics um den "Kleinen Nick" mit Rappeneau als Drehbuchautor und Regisseur ist derzeit in Planung. Die Vorlage zu "Fourmi" stammt von Artur Laperla und Mario Torrecillas.

Der 1971 geborene Franzose kennt sich aber nicht nur mit Comics, sondern generell mit der Filmbranche aus. Sein Vater ist der Regisseur und Drehbuchautor Jean-Paul Rappeneau, der unter anderem die Skripte zu "Zazie" (1960) und "Abenteuer in Rio" (1964) verfasst hat, seine Tante war die vergangenes Jahr verstorbene Regisseurin und Drehbuchautorin Élisabeth Rappeneau und sein Bruder Martin Rappeneau ist Filmkomponist und hat auch für "Fourmi" die Musik beigesteuert.

So viel geballte Filmerfahrung sollte eigentlich zu einem herausragenden Ergebnis führen. "Lügen haben kurze Beine" liefert allerdings nur Durchschnitt. Die Geschichte hat Gefühl und Humor. Drei bis fünf Charaktere weniger hätten dem Film allerdings gutgetan. Angesichts der Figurenfülle und all der Nebenepisoden, die erzählt werden wollen, geht dem Film der Fokus und eine konsequent zugespitzte Dramaturgie verloren. "Lügen haben kurze Beine" hat das Herz am richtigen Fleck, plätschert bis zu seinem unerwarteten und doch erwartbaren Happy End aber allzu gemächlich vor sich hin.

Fazit: Julien Rappeneaus zweite Regiearbeit ist ein Kinderfilm mit Hirn, Herz und Humor, aber zu vielen Figuren und zu wenig Fokus. Die Geschichte um das schwierige, aber liebevolle Verhältnis von einem Sohn zu seinem Vater ist einfühlsam erzählt, plätschert aber auch arg gemächlich und mit allerlei unnötigen Umwegen vor sich hin.




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