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Kritik: Queen Bees (2021)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Es gilt gemeinhin als trauriger Tag im Leben eines Menschen, wenn er ins Altenheim ziehen muss. So geht es auch der Heldin dieser Geschichte, aber weil es sich um eine Komödie handelt, hält sich ihr Kummer in Grenzen: Helen weiß ja, dass sie diese Einrichtung wieder verlassen kann, sobald die Renovierung ihres Hauses abgeschlossen ist. Unter der Regie des 1948 geborenen Michael Lembeck ("Zahnfee auf Bewährung") beginnt also ein Probewohnen im Altenheim, das sich als munteres Abenteuer erweist. Wobei gleich festgehalten werden muss: In einer solchen Seniorenresidenz wie der hier gezeigten fühlt sich der Alltag wie ein gelungener Urlaub an.

Ellen Burstyn sorgt als Hauptfigur Helen, die in der aufregenden, anregenden Gesellschaft anderer aufblüht und sich sogar neu verliebt, für gute Laune, wirkt dabei aber niemals albern. Helen besitzt eine beinahe schon vornehme, kühle Eleganz, die von einer selbstsicheren Persönlichkeit zeugt. Das hindert sie nicht daran, mit der etwas derber gestrickten Sally zu kiffen, oder sich vom flirtenden Dan sanft aus der Reserve locken zu lassen. James Caan ist hier zwar körperlich vom Alter gebeugt, stattet die Figur aber mit seinem gewohnten Charme aus. Jane Curtin stellt die biestige Janet sehr überzeugend dar in ihrer Aggressivität, zeigt aber auch ihre verletzliche, weiche Seite. Angenehm fällt auf, wie differenziert und frei von Übertreibung die kleinen Spannungen zwischen Helen und ihrer Tochter geschildert werden. Sie entspringen weniger einer falschen Einstellung, als lediglich der unterschiedlichen Meinung, was Helen braucht.

In diesem Heim gibt es ständig tolles Programm, Aquagymnastik, Shiatsu-Massagen, sogar Speed-Dating wird Helen beim Einzug angepriesen. Wenn sie in Abendgarderobe mit Dan zum festlichen Dinner geht, sieht sie aus wie die zufriedene Passagierin einer Luxus-Kreuzfahrt. Natürlich kann sie ihrem kleinen Apartment mit Kochnische auch wie zu Hause schalten und walten, offenbar ohne je vom Personal gestört zu werden. Ihre Vergesslichkeit vom Anfang der Geschichte tauscht Helen in der neuen Umgebung gegen wendige Unternehmungslust aus, so dass man sich fragen könnte, ob sie überhaupt ein Heim braucht… Aber die Antwort, die der Film gibt, zielt ja auch mehr darauf ab, dass Freundschaft und nette Gesellschaft das Leben schöner machen und dass es für die Liebe nie zu spät ist.

Fazit: In dieser Wohlfühlkomödie des Regisseurs Michael Lembeck spielt Ellen Burstyn eine alte Dame, die vorübergehend in ein Seniorenheim ziehen muss. Dort aber geht es gar nicht ruhig und gemütlich zu, denn drei Bewohnerinnen geben mit starken Auftritten den Ton an. Filmheldin Helen muss sich nicht nur mit einer biestigen Widersacherin herumschlagen, sondern wird auch von einem Mitbewohner, den James Caan spielt, romantisch umworben. So ist für Kurzweil in netter Atmosphäre gesorgt, die zuweilen an ein Kreuzfahrtschiff denken lässt und sich dem Klischee vom tristen Altenheim entschieden widersetzt.




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