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Kritik: Malignant (2021)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

James Wan, der Schöpfer von Genre-Hits wie "Saw" (2004), "Insidious" (2010) und "Conjuring – Die Heimsuchung" (2013), zählt durch Big-Budget-Arbeiten wie "Fast & Furious 7" (2015) oder "Aquaman" (2018) längst zu den Routiniers in Hollywood. Daher ist es äußerst erfreulich, dass er zwischen diesen Großprojekten mit "Malignant" einen völlig schrägen, weniger massenkompatiblen Film vorlegt, der immer wieder zu überraschen vermag. Auf Anklänge an klassischen Spukhaus-Grusel folgen Giallo-Elemente, die an Dario Argento und Mario Bava erinnern; mühelos wechselt das Werk zwischen Horror, Krimi, Action und Trash-Drama.

Ansatzweise lässt sich das Ganze vielleicht mit Brandon Cronenbergs sehr bemerkenswertem Mindfuck-Movie "Possessor" (2020) vergleichen. Auch darin ließ sich stets nur schwer erahnen, was wohl als Nächstes passieren wird. Die Tiefe von Cronenberg strebt Wan indes weniger an. Ähnlich wie die Klassiker des italienischen Thriller-Subgenres zeigt "Malignant" eine unbändige Lust an wüsten Wendungen, die zu einer reichlich absurden Auflösung führen. Der Film bietet keine ernstzunehmende Auseinandersetzung mit Themen wie Traumata und Gewalterfahrungen; er will vielmehr eine wilde Spielerei mit Stilmitteln und Publikumserwartungen sein. Die Kreativität, die Wan und sein Team (darunter Drehbuchautorin Akela Cooper und Kameramann Michael Burgess) dabei an den Tag legen, ist gewiss ein Vergnügen. Zu den gelungensten Effekten gehört, dass der Killer – ausgestattet mit langen, dunklen Haaren und einem schwarzen Ledermantel – sich zuweilen rückwärts zu bewegen scheint.

Auch schauspielerisch ist "Malignant" stark – insbesondere dank Hauptdarstellerin Annabelle Wallis, die schon in "Annabelle" (2014) Teil des James-Wan-Kosmos war. Viele Rollen in diesem Genre-Mix sind maßlos überzeichnet und werden doch durchweg solide verkörpert.

Fazit: Ein wirkmächtiges, originelles Schauerstück, das vor allem auf visueller Ebene und durch seine Anything-Goes-Attitüde überzeugt.




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