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Die Mafia ist auch nicht mehr das, was sie mal war
Die Mafia ist auch nicht mehr das, was sie mal war
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Kritik: Die Mafia ist auch nicht mehr das, was sie mal war (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Es fällt bereits schwer, den Wahnsinn, den "Die Mafia ist auch nicht mehr das, was sie mal war" abbildet, in Worte zu fassen. Hier gilt, was man oft hört, und doch nur selten stimmt: Man muss es mit eigenen Augen gesehen haben. Knappe 2 Stunden blickt man ungläubig auf die Bilder und fragt sich: Das kann doch nicht wahr sein?! Das muss geskriptet sein! denn kaum hat man eine solch kabarettreife Darbietung gesehen - mit der Pointe, dass das hier Gezeigte echt und wahr und nicht fiktiv ist.

Wo Maresco seine Protagonisten findet, bleibt ein Rätsel, wie die sich dazu hinreißen ließen, unfassbare Dinge vor der Kamera zu sagen, ebenfalls. Diese Dokumentar-Satire wirkt wie aus Zeit und Raum gefallen, ohne Sinn, erschafft einen eigenen Mikrokosmos, der wie die Parodie einer Parodie wirkt. Vergleichbar ist das etwa mit "Tiger King", bei dem man auch oft ungläubig vor dem Bildschirm saß und sich fragte, ob und wie es das wirklich geben kann.

Neben dem enormen Unterhaltungswert, den "Die Mafia...", bietet, bleibt schließlich auch die ursprüngliche Absicht von Bedeutung, die der Regisseur mit dem Dreh hatte: Der Beziehung des Süden Italiens zur Mafia nachzuspüren bzw. der Stimmung in der Bevölkerung in seiner alten Heimat. Dass es vielen "ganz normalen Leuten" auch heute offenbar noch schwer fällt, von den Machenschaften der Casa Nostra zu distanzieren, wirkt aus der Ferne bemerkenswert und befremdlich.

Stilistisch kann Maresco auch mit einigen Assets aufwarten, die den Film zu einem kreativen Kunstwerk werden lassen: Zum einen muss viel Planung und dramaturgisches Geschick dahinterliegen, dass sich normale Menschen so entblößen, und viel Fingerspitzengefühl, das in dieser direkten Form mit der Kamera einzufangen. Ein formaler Kniff ist die schwarz-weiß-Färbung der Bilder (oder Bildsegmente), sobald Ciccio Mira zu sehen ist. Und die beißend-ironische Kommentierung des Gezeigten bringt eine zusätzliche humoristische Qualität ein.

Fazit: Alles in allem ist "Die Mafia ist auch nicht mehr das, was sie mal war" ein enorm unterhaltsamer und sehenswerter Film geworden, der menschliche Abgründe und Exzentrizitäten erforscht, unfassbare Charaktere porträtiert und den Süden Italiens als Ort außerhalb von Raum und Zeit darstellt, in dem ganz eigene Gesetze gelten: Faszinierend.




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