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1982 Neunzehnhundertzweiundachtzig
1982 Neunzehnhundertzweiundachtzig
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Kritik: 1982 Neunzehnhundertzweiundachtzig (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Das Historien-Drama "1982" debütierte bereits 2019 auf dem Internationalen Filmfest in Toronto. Es handelt sich um das Spielfilmdebüt von Regisseur, Drehbuchautor und Produzent Oualid Mouaness. Mouaness, der in Liberia und im Libanon aufgewachsen ist, wurde durch seine Arbeit als Musikvideo-Produzent bekannt. Er arbeitete in seiner Karriere bislang für Künstler wie David Bowie, Rihanna oder auch Lady Gaga.

Geprägt von eigenen Kindheitserinnerungen und -erfahrungen, erzählt Mouaness von den Schrecken des Kriegs vor allem aus kindlicher Perspektive. Für Wissam, Joana und ihre Mitschüler ändert sich mit dem Anrücken der Israelis und den ersten Bombardements, deren Erschütterungen bis in den Klassenraum zu spüren sind, erst einmal nicht allzu viel. Ihr Alltag ist weiterhin vor allem von kindlicher Neugier, der Freude auf die Sommerferien und den Gefühlen der ersten Verliebtheit geprägt.

Hin und wieder sieht man in ihrem nachdenklichen Blick Richtung Horizont dann aber doch die Sorge vor dem was kommt. Sorge, Unsicherheit und Angst vor der Zukunft – starke, intensive Gefühle, die hingegen das Leben der Erwachsenen von morgens bis abends heimsuchen. Mittendrin: die beiden Lehrkräfte Yasmine und Joseph, toll gespielt von Nadine Labaki und Rodrigue Sleiman. Beide lassen ihre Figuren menschlich glaubhaft erscheinen. Und sie halten das Charisma von Yasmine und Joseph aufrecht bis zum Schluss.

Der Unterschied zwischen den Kindern und den Erwachsenen im Film ist, dass Letztgenannte das Drama um sich herum verstehen und die Ereignisse voll erfassen können. Jedes Dröhnen eines Flugzeugmotors und jeder Bombeneinschlag lässt sie erschaudern und verdeutlicht, dass der Krieg mit jeder Minute näher rückt.

"1982" zeichnet letztlich ein direktes, unverfälschtes Bild vom Alltagsleben in einem Kriegsgebiet und zeigt den Ort "Schule" als etwas, das er hier nicht mehr ist: der Zufluchts- und Rückzugsort, der den Kindern Schutz und Sicherheit verspricht.

Fazit: Mit angenehmer Beiläufigkeit erzähltes, stark durchkomponiertes und famos gespieltes Kriegs-Drama, um eine heute fast vergessene kriegerische Auseinandersetzung im Libanon der frühen 80er-Jahre.




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