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Chasing Paper Birds
Chasing Paper Birds
© dejavu filmverleih

Kritik: Chasing Paper Birds (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

"Chasing Paper Birds" ist das Langfilmdebüt von Mariana Jukica. Die in der Nähe von Toronto geborene und in Berlin lebende Regisseurin stellt die Frage, welchen Träumen die Generation um die 30 nachjagt. Bei Jukica sind diese Träume in erster Linie drogengeschwängert, denn sie hat ihr Debüt im Berliner Nachtleben angesiedelt. Als Mitbetreiberin eines After-Hour-Clubs kennt sich Jukica in der Szene aus, was viele authentische Bilder und Momente hervorbringt. All die tollen Ansätze wollen sich aber nicht recht zu einem organischen Ganzen fügen.

Jukica, die auch das Drehbuch geschrieben hat, begleitet drei Figuren während eines Berliner Sommers durch ein langes Partywochenende. Kurz vor Schluss treffen die drei für einen dramatischen Höhepunkt aufeinander, bevor sich ihre Wege wieder trennen. Die Inszenierung dieser kurzen Konfrontation ist jedoch nicht annähernd so mitreißend, wie sie sich auf dem Papier liest. Wie überhaupt die einzelnen Episoden qualitativ stark voneinander abweichen.

Ein Grundproblem aller drei Episoden ist, dass Jukica ihren Figuren nicht in die Köpfe blickt. Und ihre Figuren nicht sonderlich ausarbeitet: Die ambitionierte Tänzerin mit einer gestörten Selbstwahrnehmung, die DJane mit einem Drogenproblem, ein selbstverliebter Künstler, der nichts fühlt – über diese Klischees kommt Jukica nicht hinaus. Sie zeigt nicht die Personen, die dahinter stecken. Das erzeugt beim Kinopublikum eine gewisse Distanz, die viele der sprunghaften Verhaltensweisen nur schwer nachvollziehbar macht. Am schwächsten ist die Episode um den Künstler Ian, weil der international bekannte Vladimir Burlakov schauspielerisch auf ganzer Linie enttäuscht. Von der ersten bis zur letzten Sekunde seiner Darbietung wird man das Gefühl nicht los, dass hier ein Schauspieler nicht sonderlich motiviert eine dürftig geschriebene Rolle spielt.

Geht es nach Jukica, dann hat sie einen "Film über das Erwachsenwerden für Erwachsene" gedreht. Das stimmt. "Chasing Paper Birds" zeigt die Generation um die 30, die bereits mitten im Berufsleben steht, vom Partyleben aber noch nicht lassen kann oder will und sich dabei im Grunde nur nach Geborgenheit, Glück und Beständigkeit sehnt. "Chasing Paper Birds" ist also tatsächlich ein "Film über das Erwachsenwerden für Erwachsene". Leider kein besonders guter.

Fazit: Mariana Jukicas in der Club-Szene angesiedeltes Langfilmdebüt steckt voller guter Ansätze und authentischer Momente, fügt sich aber nie zu einem organischen Ganzen. Die Figuren sind dürftig geschrieben und bleiben bis zuletzt Abziehbilder. Diesem vibrierenden Blick ins Berliner Nachtleben mangelt es an Plastizität.




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