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Awaken
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Kritik: Awaken (2021)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Terrence Malick und Godfrey Reggio zählen zu den ausführenden Produzenten dieses Dokumentarfilms, der wie ein Amalgam aus den Werken der beiden wirkt. Konzeptionell lehnt sich der Regisseur, Kameramann und Cutter Tom Löwe alias Tom Lowe an Reggios "Qatsi"-Trilogie an, die 1982 mit dem Experimentalfilm "Koyaanisqatsi" ihren Anfang nahm. Die ausladenden Kamerabewegungen und den Hang zur spirituellen Verquastheit scheint er sich bei Malick abgeschaut zu haben, für den er bei den Filmen "Knight of Cups" (2015) und "Song to Song" (2017) in der Kameraabteilung gearbeitet hat.

Lowe nimmt sein Publikum mit auf eine Reise um die Welt. Mehr als fünf Jahre lang hat er an seinem Film gearbeitet. Gedreht hat er ausschließlich in 4K, was sich auszahlt, weil das Ergebnis atemberaubend aussieht. Und weil er wie Reggio lediglich Zeitlupen- und Zeitraffer-Aufnahmen zu wunderbar komponierter und perfekt zu den Bildern arrangierter Musik aneinanderreiht, entwickelt sein Film schnell eine audiovisuelle Wucht von mal meditativer, mal hypnotischer Qualität. Da sieht man es dem Komponisten Joseph Trapanese ("Oblivion", u. a.) auch nach, dass er sich bei den Musikstücken teils selbst kopiert.

Anders als Reggio, der in seiner Trilogie die negativen Auswirkungen der Zivilisation wie Umweltzerstörung, Industrialisierung und Krieg kritisch in den Blick nahm, gleicht Lowes Film mehr einer Feier der Natur, des Menschen und des Menschen in Symbiose mit der Natur. So spektakulär das auch aussieht, wirkt es stellenweise zu konstruiert und der Welt entrückt. Dann laufen Menschen in Trachten barfuß über Wiesen oder eine Ballerina tanzt durch einen Wald. Mit den Problemen unserer Welt von Konflikten bis zum Klimawandel hat das wenig zu tun. Statt sich beispielsweise zu fragen, wo all der Strom herkommt, der die Megacitys am Golf nachts beleuchtet, erliegt man beim Zusehen dem wunderschönen Farbenspiel, das sich aus der Kombination von Architektur und Straßenlaternen ergibt.

Fazit: Tom Lowes Dokumentarfilm ist eine audiovisuelle Wucht. In hochauflösenden Bildern gefilmt, wartet "Awaken" mit spektakulären Ansichten auf, die durch den Wechsel aus Zeitlupe und Zeitraffer und in Kombination mit Joseph Trapaneses Musik eine mal meditative, mal hypnotische Qualität entwickeln. Abseits des reinen Erlebnisses bietet der Film allerdings kaum Mehrwert und driftet mitunter ins spirituell Verquaste ab.




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