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Maya
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© Weltkino Filmverleih

Kritik: Maya (2021)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"Maya" ist der sechste abendfüllende Spielfilm der französischen Regisseurin, Drehbuchautorin und Schauspielerin Mia Hansen-Løve. Bekannt wurde sie Ende der 90er-Jahre und in den frühen 00ern als Schauspielerin ("Ende August, Anfang September"). Erst jetzt, drei Jahre nach seiner internationalen Premiere in Toronto, startet "Maya" in den deutschen Kinos.

In ihrem langsam und bedächtig erzählten Film schildert Hansen-Løve die Beziehung (und damit ist nicht unbedingt eine "klassische" Liebesbeziehung gemeint) zwischen Gabriel und Maya, die dem Film den Titel gibt. Sie zeichnet ihre Figuren dabei durchaus interessant, zumal die Unterschiedlichkeit der Protagonisten zu spannenden, kaum zu überwindenden Herausforderungen und Konflikten führt. Einerseits der 30 Jahre alte, erfahrene Kriegsreporter, der sich nicht auf feste Bindungen einlassen kann. Er ist ruhelos und lebt für seine Arbeit.

Andererseits die rund zehn Jahre jüngere Maya, die in ihren jugendlichen Gefühlen schnell für den attraktiven Gabriel ins Schwärmen gerät. Aber ihre fehlende Lebenserfahrung verstellt den Blick auf die Realität. Auf das wahre Leben. Kolinka und vor allem Banerjee agieren stark in ihren Rollen und es gelingt ihnen auf natürliche und sensible Weise die Gefühle ihrer Figuren offenzulegen. Beachtlich ist, wie überzeugend die junge Banerjee trotz fehlender Schauspielerfahrung ihre Rolle mit Kraft und Tiefe ausfüllt.

Aber "Maya" ist auch ein Film der Lücken, der Leerstellen und des Leerlaufs. Zu lange und oft dümpelt die Handlung belanglos vor sich hin. Zum Beispiel wenn Gabriel und Maya gemeinsam Indien erkunden und alte indianische Stätten entdecken. Das sind erhabene, sinnliche Bilder und Momente, doch so richtig viel tragen diese Szenen nicht zur Dramaturgie und Verdichtung der Handlung bei.

Auch kommen Gabriels Geiseltrauma und Vergangenheit zu kurz, selbst wenn der Film (pflichtbewusst) Hinweise auf seine Erlebnisse und seine politische Gesinnung zwischendurch flüchtig einbaut. Zum Beispiel wenn einer seiner Kollegen, den die Terroristen nicht freigelassen hatten, in einem Video brutal hinrichten. Am Schluss fehlt Hansen-Løves der Mut für eine schlüssige, zufriedenstellende Konklusion und ein rundes Ende.

Fazit: Toll gespieltes und geduldig erzähltes (Selbstfindungs-)Drama, das am Ende etwas zu seicht und unausgegoren geraten ist.




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