oder
Lene und die Geister des Waldes
Lene und die Geister des Waldes
© Real Fiction

Kritik: Lene und die Geister des Waldes (2021)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Es gibt viele Möglichkeiten, Kinder an die Schönheit und Magie naturbelassener Lebensräume heranzuführen. Der Regisseur Dieter Schumann ("Wadans Welt") hat für seinen Dokumentarfilm über den Bayerischen Wald eine originelle Form gewählt. Er lässt die siebenjährige Protagonistin Lene aus Mecklenburg über ihre Abenteuer und Entdeckungen während der Sommerferien im Osten Bayerns erzählen. Geschultes Personal des Nationalparks unternimmt kindgerechte Führungen, in denen es um naturkundliches Wissen, aber auch um regionale Sagen und Märchen geht. Lene interessiert sich auch für die einheimischen Kinder, die einen Dialekt sprechen, den sie oft nur halb versteht. Und sie ist manchmal schlecht gelaunt, weil sie als Kleine übersehen wird oder Streit mit ihrer größeren Schwester hat.

Diese geskriptete dokumentarische Form bietet also eine bunte Mischung aus Naturentdeckung, dörflichem Milieu, Spiel und Spaß. Lenes gewitzter Off-Kommentar sorgt für eine kindliche Perspektive. Er spiegelt das Fremdeln vieler junger Menschen mit dem Gedanken, dass es spannend sein soll, den Wald zu erkunden. Dieses Vorurteil kann der Film widerlegen, auch dank der wunderschönen Aufnahmen. Die Bergketten im Dunst, kleines Getier wie Käfer, Heupferd und Spinne im Fokus, ein heulender Wolf in der Nacht, Blicke in bemooste Grotten, die untergehende Sonne vom Gipfel des Lusen aus betrachtet: All das wirkt völlig ungekünstelt und vertraut auf den natürlichen Zauber der Motive. Die Fragen, mit denen sich Lene laut Drehbuch befasst, muten manchmal schon fast philosophisch an: Wie erkennt man, ob Tiere eine Seele haben? Ist der Wald-Peter schon wiedergeboren? Ein wenig gruselig darf es in der Sagenwelt auch werden.

Reizvoll erscheint auch das dörfliche Leben vor Ort. Mit Lene erfährt man, was die Kinder, die in der Waldregion aufwachsen, alles können und gern machen. Ein Junge züchtet Bienenköniginnen, ein zweiter baut eine Holzhütte, ein dritter hat einen besonderen Draht zu den Tieren des Waldes. Wie die kleine Sophie sprechen sie Dialekt und singen mit, wenn sie Hubert von Goiserns wilden Hit "Brenna tuats guat" hören, von dem Lene nur Bahnhof versteht. Indem sie aber Kontakt zu Kindern und Erwachsenen, die im Bayerischen Wald leben, bekommt, müssen sich auch die jungen Zuschauer*innen nicht wie touristische Zaungäste fühlen, sondern können tiefer in das Leben vor Ort eintauchen. So entsteht ein Wohlfühleffekt, der den Film sehr unterhaltsam und kurzweilig erscheinen lässt.

Fazit: Unter der Regie von Dieter Schumann ist ein Dokumentarfilm entstanden, der sein Kinderpublikum auf eine ungewöhnliche Entdeckungstour in den Nationalpark Bayerischer Wald mitnimmt. Naturerkundungen, einheimische Sagenwelt und Begegnungen mit Kindern und Erwachsenen aus der Region ergeben das bunte Ferienprogramm der siebenjährigen Lene. Aus kindlicher Perspektive erzählt, wirken die unaufdringlich lehrreichen Erlebnisse, wie eine Nachtwanderung oder der Besuch beim Imker, kurzweilig und unterhaltsam.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.