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Kritik: Saint-Narcisse (2021)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Mit wilden Exploitation-Werken wie "No Skin Off My Ass" (1991), "Hustler White" (1996) oder "Otto; or, Up with Dead People" (2008) avancierte der Kanadier Bruce LaBruce zur Queer-Cinema-Ikone. Und mit "Geron" (2013), einer Romanze zwischen einem jungen und einem deutlich älteren Mann, bewies der Filmemacher wiederum, dass er auch die ruhigeren Töne beherrscht (und dabei dennoch heteronormative Grenzen zu sprengen vermag). Seine neueste Arbeit "Saint-Narcisse" mixt nun Elemente eines übersteigerten Melodrams mit Erotik- und Sleaze-Szenen – und liefert eine moderne Variante des griechischen Mythos von Narziss.

Auch hier gibt es einen schönen Jüngling – den muskulösen Motorradfahrer Dominic –, der sich gewissermaßen in sein eigenes Spiegelbild verliebt. Genauer formuliert: in seinen bisher unbekannten Zwillingsbruder, der zurückgezogen als Mönch in einem Kloster lebt. LaBruce widmet sich dem Begehren zwischen den beiden Männern, die beide von Newcomer Félix-Antoine Duval verkörpert werden. Hinzu kommt zum einen ein Familiendrama um eine unverhofft wiedergefundene Mutter, samt extra-kitschig gestalteter Rückblenden in deren Backstory. Und zum anderen ein trashiger Revenge-Strang um den diabolischen Father Andrew.

Wie bei LaBruce üblich, gerät das alles teilweise sehr krude, doch in jedem Fall höchst unterhaltsam. Und bei aller Freude an der Provokation vermittelt "Saint-Narcisse" nebenbei die hübsche Botschaft, dass auch unkonventionelle Familien ihr ganz eigenes Glück finden können.

Fazit: Eine amüsante Mischung aus queerer Ästhetik, absurdem Plot und lustvollem Spiel mit Genre-Zutaten.




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